Positives Image der Landwirtschaft – Warum gibt es trotzdem Bauernbashing?

Auf 18,1 Millionen Hektar – knapp 51% der Fläche Deutschlands – wird Landwirtschaft betrieben. Die deutschen Landwirte sichern nicht nur unsere Ernährung, sondern sie erhalten und pflegen vor allem auch unsere vielfältigen Kulturlandschaften. Sie schützen unsere natürlichen Lebensgrundlagen, sprich Boden, Wasser und Luft sowie mittelbar auch die Flora und Fauna.

Der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland beträgt zwar nur 0,7%, trotzdem ist die Landwirtschaft mit einem Produktionswert von 60,4 Milliarden Euro und einer Bruttowertschöpfung von 24,9 Milliarden Euro ein bedeutender Wirtschaftsbereich der deutschen Volkswirtschaft. Etwa 600.000 Erwerbstätige sind direkt in der Landwirtschaft beschäftigt. Hinter jedem einzelnen Arbeitsplatz stehen allerdings sieben weitere Jobs in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen. Diese Arbeitsplätze schaffen regionale Wertschöpfung und machen die ländlichen Räume lebenswert.

Dank dem technischen Fortschritt kann ein Landwirt heutzutage 140 Personen ernähren. Die moderne Landwirtschaft ermöglicht unserer Gesellschaft die Arbeitsteilung. Jeder kann seinen Beruf frei auswählen und muss sich nicht mehr selbst versorgen. Das dürfte mit ein Grund dafür sein, dass Landwirte in der Bevölkerung ein hohes Ansehen genießen. Laut einer repräsentativen Umfrage von Kantar Emnid ist der Landwirt nach dem Arzt der zweitangesehenste Beruf in Deutschland[1].

Erwartungen an die Landwirtschaft

Die Mehrheit der deutschen Verbraucher setzt hohe Erwartungen in die Landwirtschaft.  Dazu gehören vor allem die artgerechte Haltung der Nutztiere (66%), die faire Entlohnung der Mitarbeiter (64%) und hohe Qualitätsansprüche an die erzeugten Produkte (63%). Für viele haben die Anwendung umweltschonender Produktionsmethoden (52%) und die Pflege der ländlichen Räume (51%) einen hohen Stellenwert.  Außerdem wird die Verringerung der Emissionen in der Landwirtschaft (48%) für viele Verbraucher zusehends wichtiger.

Landwirte haben ein positives Image

Folgt man den Ergebnissen andererUmfragen, dann erfüllt die Landwirtschaft diese hohen Erwartungen. Mehr als 90% sehen die größte Stärke der deutschen Landwirtschaft darin, dass diese qualitativ hochwertige Lebensmittel erzeugt. Für etwa 80% ist die Landwirtschaft ein Teil von Heimat und Brauchtum. Und immerhin 78% finden, dass die Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege leistet[2]. Insgesamt kann also festgestellt werden, dass das Image der deutschen Landwirtschaft in der Bevölkerung sehr positiv ist. Landwirtschaft ist sogar bei etwa 60% der Bevölkerung gelegentlich ein Thema im alltäglichen Gespräch mit Freunden und Bekannten. Interessanterweise werden die Negativschlagzeilen nicht unbedingt auf das Image landwirtschaftlicher Betriebe übertragen[3].

Ausnahme Tierhaltung

Die Tierhaltung bildet beim ansonsten positiven Image der Landwirtschaft leider die traurige Ausnahme. In diesem Bereich sind die Erwartungen der Verbraucher und die Realität am weitesten voneinander entfernt[4]. Medienberichte über die Nutztierhaltung zeigen oftmals kritische Bedingungen Haltungsbedingungen und lösen bei einer Vielzahl von Bürgern Entsetzen und Ablehnung über die dargestellte Tierhaltung aus. Im Fokus der öffentlichen Kritik stehen vor allem die Schweine- und Geflügelhaltung[5]. Kein Wunder also, dass 77% sich strengere Vorschriften für die Haltung von Nutztieren wünschen und etwa 73% fordern, dass die Politik mehr für den Tierschutz tun solle. Lediglich 18% sind der Meinung, dass die Tiere in Deutschland durch gesetzliche Vorschriften ausreichend geschützt seien. Bedauerlicherweise haben sich die meisten Bürger mittlerweile von der Landwirtschaft entfremdet und haben keinen direkten Kontakt mehr zu Nutztieren. Dadurch fällt es vielen schwer, die Berichterstattung über „schwarze Schafe“ in der Tierhaltung, die es leider überall gibt, fachlich einzuordnen. Gerade das Thema Tierschutz ist für die meisten Menschen eben sehr emotional.

Quelle: https://www.vzbv.de/sites/default/files/downloads/Tierschutz-Umfrage-Ergebnisbericht-Langfassung-vzbv-2016-01.pdf

Wahrnehmung der Landwirte – „Bauernbashing

Die Landwirte in Landwirtschaft nehmen ihr gesellschaftliches Image anders wahr. Etwa 59% glauben, dass ihre Praktiken öffentlich kritisiert werden. Und über 30% gaben an, dass sich die öffentliche Kritik negativ auf ihre Motivation auswirke, weiter in der Landwirtschaft zu arbeiten[6][7]. Diese Selbstwahrnehmung ist alarmierend und lenkt den Blick auf die öffentliche Darstellung der Landwirtschaft durch Medien und NGOs. Wie wir gesehen haben, ändert auch kritische Berichterstattung wenig an der positiven Wahrnehmung der Landwirtschaft in der Bevölkerung. Für viele Landwirte scheint es aber frustrierend zu sein, dass ständig nur Skandale aufgegriffen werden.   

Die Rolle der NGOs

Es geht mir ausdrücklich nicht darum die Arbeit der Nichtregierungs-Organisationen (NGOs) zu diskreditieren. Im Gegenteil bin ich der Meinung, dass sie einen wichtigen Beitrag zum Meinungsfindungsprozess in der Gesellschaft beitragen. Es muss trotzdem festgestellt werden, dass die Macht dieser Organisationen seit Jahren zunimmt. Viele sind mittlerweile sogar staatlich subventioniert und werden regelmäßig von nationalen, europäischen oder internationalen Gremien als fachkompetente Berater eingeladen. Mit zunehmendem Einfluss gelingt es einigen dieser Organisationen dadurch, dass sie gegenüber Staat und Wirtschaft die öffentliche Themensetzung bestimmen. Bleiben wir beim Thema Landwirtschaft, dann dominieren NGOs wie der NABU, Greenpeace oder PETA die öffentliche Wahrnehmung und beeinflussen so die Wünsche und Ziele der Menschen[8]. Zu kritisieren ist, dass einige NGOs (nicht alle!) sich mittlerweile zu berufsmäßigen Geschäftszweigen entwickelt haben. Skandalisierungen, Angsterzeugung und das Spiel mit negativen Emotionen ist ein lukratives Geschäftsmodell, welches Spendengelder und staatliche Subventionen reichlich fließen lassen. Und gerade dadurch kann in der Gesellschaft ein falsches Bild – beispielsweise von der Tierhaltung – gezeichnet werden.

Mein persönliches Fazit

Die Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Wirtschaftsbereiche in Deutschland und der Landwirt deshalb zu Recht der zweithöchst angesehene Beruf. Die Bevölkerung hat hohe Erwartungen an die Landwirtschaft, sieht diese Erwartungen im Großen und Ganzen aber erfüllt, wenn man den Umfragen glaubt. Das Image der Landwirtschaft ist bei den meisten Menschen positiv. Lediglich im Bereich der Nutztierhaltung scheint es eine verzerrte Wahrnehmung zu geben.

Trotzdem ist „Bauernbashing“ real. Und hier spielen die Medien und die NGOs ebenfalls eine tragende Rolle. Denn sie lenken die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hauptsächlich auf Skandale in der Landwirtschaft. Wird hierbei nicht sachlich differenziert und eventuell sogar noch schlampig recherchiert, dann entsteht ein Zerrbild. Das kritisiere ich. Insbesondere die öffentlich-rechtlichen Medien hätten hier einen Bildungsauftrag, um ein fachlich-fundiertes Bild der Realität zu zeichnen und dem entgegenzuwirken.


[1] https://media.repro-mayr.de/79/668279.pdf

[2] https://www.businessandmore.de/landwirtschaft-und-umwelt/item/417-umfrage-bundesb%C3%BCrger-sehen-landwirtschaft-positiv.html

[3] https://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2011/Helmle.pdf

[4] https://www.rentenbank.de/dokumente/Schriftenreihe_Band31.pdf, S. 91

[5] Boehm J, Kayser M, Spiller A (2010) Two sides of the same coin? Analysis of the web-based social media with regard to the image of the agri-food sector in Gemany. Int J Food Syst Dyn 3:264–278; Thompson, PB, Appleby M, Busch L, Kalof, L, Miele, M, Norwood BF, Pajor E (2011) Values and public acceptability dimensions of sustainable egg production. Poult Sci 90:2097–2109; Spiller A, Kayser M, Böhm J (2012) Unternehmerische

Landwirtschaft zwischen Marktanforderungen und gesellschaftlichen Erwartungen in Deutschland

aus Sicht der Forschung. Schriften der Gesellschaft für Wirtschafts- u. Sozialwissenschaften des Landbaues e.V. 47, 11–22

[6] https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/bauern-bashing-franzoesische-deutsche-bauern-leiden-meisten-570374

[7] https://www.wochenblatt-dlv.de/feld-stall/betriebsfuehrung/bauern-bashing-frustriert-landwirte-umfrage-561856

[8] https://meedia.de/2019/05/15/gastbeitrag-die-zunehmende-macht-der-ngos-und-die-verantwortung-der-medien/

Agropolit-X - Kritische Kommentare zur Agrarpolitik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.