Sind Bauern reiche Geldsäcke oder arme Schweine? – eine kritische Betrachtung der wirtschaftlichen Situation

Konkrete Kritik der Bauern wird allzu oft als „Jammerei“ abgetan. Die Bauern sollen sich mal nicht so anstellen, schließlich würden sie alle sehr gut verdienen und Milliarden-Subventionen erhalten. Aber ist das wirklich so? Sind Bauern „reiche Geldsäcke“, die für die ein oder andere Regulierung durchaus ein paar Euro verschmerzen können? Oder sind die meisten Bauern doch eher „arme Schweine“, denen jeder zusätzliche Euro wehtut und die mit existentiellen Herausforderungen zu kämpfen haben? Ausgehend vom Agrarpolitischen Bericht 2019 der Bundesregierung sowie dem aktuellen Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) werfe ich in diesem Beitrag Licht ins Dunkle.

Einkommen der Haupterwerbsbetriebe

Ich möchte mich im Folgenden auf die Haupterwerbsbetriebe konzentrieren, also die Betriebe, für die die Landwirtschaft die hauptsächliche Einkommensgrundlage und damit die Existenzgrundlage darstellt. Knapp 117.000 landwirtschaftliche Betriebe, d.h. etwa 48 Prozent aller landwirtschaftlicher Betriebe wurden 2016 im Haupterwerb bewirtschaftet[1].

Das Einkommen (Gewinn plus Personalaufwand je Arbeitskraft) der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe lag im Wirtschaftsjahr 2017/2018 durchschnittlich bei 37.618 Euro brutto. Das entspricht etwa 3.135 Euro brutto pro Monat. Abzüglich der monatlichen Beiträge für Rente und Unfallversicherung i.H.v. 682,6 Euro kommen die Bauern also auf ein Bruttomonatseinkommen von etwa 2.452 Euro brutto[2]. Damit liegt der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Haupterwerbslandwirten weit unter dem Durchschnittseinkommen eines Vollzeitarbeitnehmers (3.880 Euro)[3].

Einkommen nach Betriebsgröße

Zur Einteilung der Betriebe dient neben der wirtschaftlichen Ausrichtung die wirtschaftliche Betriebsgröße in Form des Standard-Outputs (SO)[4]. Als kleinere Betriebe werden Haupterwerbsbetriebe mit einem Standardoutput von 50.000 Euro bis 100.000 Euro, mittlere mit 100 000 Euro bis 250 000 Euro und größere mit 250 000 Euro und mehr definiert. Die Ergebnisse der nach Standard-Output in drei Größenklassen eingeteilten Betriebe zeigen im Wirtschaftsjahr 2017/18, dass mit zunehmender Größe der Betriebe nicht nur die erzielten Unternehmensgewinne, sondern auch die Einkommen je AK auf höherem Niveau liegen[5].

Im Gegensatz zum aktuellen agrarpolitischen Bericht der Bundesregierung 2019, enthält der Situationsbericht des Deutschen Bauernverbands (DBV) bereits die Unternehmensergebnisse für das Wirtschaftsjahr 2018/19, welche auf Buchführungsabschlüssen der LANDDATA, des Landwirtschaftlichen Buchführungsverbandes Kiel und anderer regionaler Buchstellen, beruhen. In der Analyse kommt der DBV zu dem Schluss, dass unter Annahme eines Lohnansatzes für die durchschnittlich 1,43 Familienarbeitskräfte, wie er für fremde Arbeitskräfte einschließlich Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung gezahlt wird, und eines Zinsansatzes von 3,5 Prozent für das eingesetzte Eigenkapital, das durchschnittliche Unternehmensergebnis bei 65.600 Euro liegen müsste. Das tatsächliche Unternehmensergebnis im Wirtschaftsjahr 2018/19 lag mit 54.900 Euro allerdings deutlich darunter. Zum Vergleich: Die EU-Direktzahlungen betrugen im Wirtschaftsjahr 2018/19 27.000 Euro je Haupterwerbsbetrieb und machten damit die Hälfte des erzielten Unternehmensgewinnes aus[6].

Anteil der Direktzahlungen

Förderungen erhält die Landwirtschaft in Form der Direktzahlungen aus der ersten Säule der Gemeinsamen Argarpolitik (GAP) der EU, für Agrar- und Umweltmaßnahmen (2. Säule), der Agrardieselvergütung, den von Bund und Ländern im Rahmen der GAK gewährten Zuschüsse für einzelbetriebliche Investitionen sowie der Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete. Die Beitragszuschüsse zur betrieblichen Unfallversicherung gelten nicht als betriebliche Einnahmen. Die unternehmensbezogenen Direktzahlungen und Zuschüsse betrugen im letzten ausgewerteten Wirtschaftsjahr 2017/18 je Unternehmen insgesamt (Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe sowie juristische Personen) 37.326 Euro. Bei den Haupterwerbsbetrieben lagen sie bei 34.391 Euro je Unternehmen und bei den juristischen Personen bei 437.775 Euro je Unternehmen. Je Arbeitskraft betrugen die Zahlungen im Wirtschaftsjahr 2017/18 insgesamt 16.520 Euro. Der Anteil dieser Zahlungen am Gewinn plus Personalaufwand je Arbeitskraft betrug im Durchschnitt rund 46 Prozent. Die landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe erhielten unter 15.228 Euro je Arbeitskraft. Der Anteil am Einkommen lag hier bei rund 41 Prozent. Die juristischen Personen in den Neuen Ländern erhielten je Arbeitskraft 22.091 Euro, was u.a. mit betriebsgrößenbedingten Unterschieden zusammenhängt. Der Anteil der unternehmensbezogenen Direktzahlungen und Zuschüsse am Gewinn plus Personalaufwand je Arbeitskraft betrug im Durchschnitt rund 55 Prozent.  Da die Subventionen in den Gewinn einfließen und der Gewinn zu versteuern ist, erhöhen die Subventionen die Gewinne und dadurch auch die Steuerbelastung. Wenn die erhöhte Steuerbelastung abgezogen werden würde, hätte man das eigentliche Netto-Ergebnis.

Eigenkapitalbindung

Bauern sind in erster Linie Unternehmer. Deshalb müssen sie im Schnitt der Jahre genügend Eigenkapital bilden, um nötige Wachstumsinvestitionen solide finanzieren und eventuelle Krisen, wie beispielsweise Wetterkatastrophen, Phasen niedriger Preise oder Tierseuchen, überstehen zu können. Im Durchschnitt konnten die Haupterwerbsbetriebe im Wirtschaftsjahr 2018/19 Eigenkapital i.H.v. 5.200 Euro bilden. Pauschal wird angenommen, dass zur Sicherung der Existenz eines Haupterwerbbetriebs eine jährliche Eigenkapitalbildung von mindestens 10.000 bis 20.000 Euro nötig ist. In den vergangenen drei Wirtschaftsjahren 2016/17 bis 2018/19 erwirtschafteten im Durchschnitt nur 40 Prozent der Haupterwerbsbetriebe eine Eigenkapitalbildung von mindestens 10.000 Euro. Die durchschnittliche Eigenkapitalbildung dieser Betriebe betrug 43.700 Euro. Das bedeutet, dass etwa zwei Drittel der Haupterwerbsbetriebe, d.h. etwa 70.000 Betriebe, nicht in der Lage waren mindestens 10.000 Euro Eigenkapital zu bilden[7].

Rente und Unfallvorsorge

Weiter oben bin ich bereits auf den monatlichen Renten- und Unfallversicherungsbeitrag eingegangen. Für 30 Beitragsjahre erhält ein Bauer von der SVLFG eine Bruttorente i.H.v. monatlich 457,62 Euro (neue Bundesländer 440,82 Euro). Mitarbeitende Familienangehörige erhalten nach 30 Beitragsjahren eine monatliche Bruttorente von 229,08 Euro (neue Bundesländer 220,60 Euro)[8].

Landwirtschaft ist sehr kapitalintensiv

Die Kapitalintensität ist mit 552.600 Euro Kapital je Erwerbstätigen sehr hoch und ist damit die kapitalintensivste Branche der deutschen Wirtschaft.

Das Nettoanlagevermögen (Bruttoanlagevermögen vermindert um die Abschreibungen, ohne Boden) der deutschen Land-, Forstwirtschaft und Fischerei lag Ende 2017 bei 162,9 Milliarden Euro. Davon entfallen 30 Prozent auf Ausrüstungsgüter (Maschinen und Geräte) und 70 Prozent auf Bauten und Anlagen. Finanziert wird das Sachkapital der deutschen Land-, Forstwirtschaft und Fischerei zu 31 Prozent mit Fremdmitteln und zu 69 Prozent mit Eigenkapital. Der Fremdkapitalbestand in der deutschen Land- und Forstwirtschaft erreichte Ende Juni 2018 rund 50 Milliarden Euro. 84 Prozent des Kreditbestandes sind langfristige Kredite und dienen damit der Finanzierung langfristiger Investitionen. Kurz- und mittelfristige Kredite mit einer Laufzeit von unter 1 bzw. 5 Jahren spielen mit einem Anteil von 16 Prozent eine untergeordnete Rolle[9]. Der durchschnittliche Fremdkapitaleinsatz je Haupterwerbsbetrieb betrug im Wirtschaftsjahr 2018/19 235.000 Euro[10]

Mein persönliches Fazit

Die wirtschaftlichen Kennzahlen der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe lesen sich katastrophal. Die Bauern verdienen im Durchschnitt 2500 Euro brutto und damit knapp 1.300 Euro weniger als der durchschnittliche Vollzeitarbeitnehmer. Bedenkt man dann zusätzlich, dass die durchschnittliche Kreditbelastung bei einer viertel Millionen Euro liegt und die Arbeitszeiten bei bis zu 400 Stunden pro Monat liegen, selbstverständlich ohne 30 Tagen Urlaub, dann ist das erschreckend. Dafür erhält der Bauer dann noch den HartzIV-Satz als Rente. Jeder sollte sich selber prüfen, ob er zu solchen Bedingungen arbeiten würde.

Miteinbezogen in die Betrachtung ist natürlich noch nicht das sogenannte „Bauernbashing“ oder das hohe wirtschaftliche Risiko. Hier läuft etwas entschieden falsch! Oder seht ihr das anders? Teilt mir eure Meinung gerne in den Kommentaren mit.

„Ein Land zerfällt in Schandwirtschaft, vergeht die deutsche Landwirtschaft“

(alter Bauernspruch)

[1] https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/DatenundFakten.pdf?__blob=publicationFile, S. 10

[2] https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/SteuerlicheRegelungen2018.pdf?__blob=publicationFile

[3] https://de.statista.com/themen/293/durchschnittseinkommen/

[4] Als Standard Output eines landwirtschaftlichen (pflanzlichen oder tierischen) Erzeugnisses wird der durchschnittliche Geldwert der landwirtschaftlichen Erzeugung zu Ab-Hof-Preisen einschließlich Verkäufe, interne Verwendung, Eigenverbrauch und Bestandsveränderungen verstanden. Darin eingeschlossen ist der Wert sowohl der Haupt- als auch etwaiger Nebenerzeugnisse. Direktzahlungen, Mehrwertsteuer und produktspezifische Steuern werden nicht hinzugerechnet (Definition vgl. OFD Niedersachsen v. 15.04.2014 – S 2150a – 71 – St 282).

[5] https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Agrarbericht2019.pdf?__blob=publicationFile, S. 62

[6] https://www.bauernverband.de/fileadmin/user_upload/Kap5.pdf, S. 148

[7] https://www.bauernverband.de/fileadmin/user_upload/Kap5.pdf

[8] https://www.svlfg.de/rentenhoehe

[9] https://www.bauernverband.de/situationsbericht/3-agrarstruktur/31-kapitaleinsatz

[10] https://www.bauernverband.de/fileadmin/user_upload/Kap5.pdf, S. 155

Agropolit-X - Kritische Kommentare zur Agrarpolitik

26 Antworten auf „Sind Bauern reiche Geldsäcke oder arme Schweine? – eine kritische Betrachtung der wirtschaftlichen Situation“

  1. Johann Saathoff
    Die Ergebnisse zeigen das die Landwirtschaft im Vergleich zur Deutschen Wirtschaft ein Scherbenhaufen ist. Der Preisdruck ist von den Aufkäufern der Lebensmittellkonzernen auf die Verarbeitenden Betriebe so gross geworden, dass unser Einkommen immer noch sinkt. Viele Betriebe hängen Seitens der Banken auch so tief in der Miessere das man solche Betriebe einfach weiter laufen lässt. Man sieht es an der Politik wie wenig Interesse der Landwirtschaft erteilt wird. Anstatt das sich die gesamte Politik hinter uns stellt und endlich mal anfängt das Vermarktungssystem an zu gehen schweigen alle. Demnächst gehen die Einkäufer bei den Molkereien wieder auf Einkaufstour und
    Halten die Preise nur so hoch das die Milchviehbetriebe das Wasser noch gerade unter der Nase behalten und nicht absaufen. Die wissen genau wieviel sie bezahlen dürfen so das es irgendwie auf den Milchviehbetrieben in einer Zwangsjacke weiter geht. Und das an 365 Tagen mit Arbeitszeiten von Morgens 5 bis Abends spät. Was für ein Wahnsin.

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  2. Also Mal aus eigener Erfahrung. Gerade drei Tage alt. Betrifft einen Weinbauern, einen Biobauern aus der Umgebung von Bad Kreuznach, sowie einen komplett schuldenlosen Milchbauern aus dem Bremer Raum. Land Schaft Verbindung wir von allen dreien belächelt und als peinlich wahrgenommen. Alle drei wirtschaftlich sehr erfolgreich. Ja alle drei arbeiten zu Spitzenzeiten auch Mal mehr als 400h / Monat. Es gibt viele andere Monate. Es gibt lange Frühstückszeiten und auch Mittagsschläfchen. Jedenfalls für den Milchbauern.
    Jedenfalls haben alle drei nicht die obigen Probleme. Vielleicht muss man sich allerdings als Unternehmer verhalten. Sich an die Marktbedingungen anpassen ist für alle drei Standard. Jeder auf seine ganz eigene Weise.

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    1. Bitte immer berücksichtigen wenn ein Betrieb durch Bauland , Windräder etc such „gesund gestoßen hat“.
      Hier in diesem Beispiel sind solche Einnahmen nicht berücksichtigt!!! Sondern nur wirkliche Einnahmen aus der Lw

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      1. Das stimmt. Auch Bodeneigentum ist nicht berücksichtigt. Das sind nur die durchschnittlichen Gewinnzahlen der Haupterwerbsbetriebe aus dem agrarpol. Bericht 2019 und dem DBV-Situationsbericht.
        Ich denke trotzdem, dass so ein Überblick hilfreich ist. Oder?

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        1. Man muss sich mal fragen woher dieser „Grundbesitz“ überhaupt kommt. Vererbt und weitervererbt von Leuten, die sich Land der Allgemeinheit einfach genommen haben. Jeder hat sein Häuser, eines reich lange nicht mehr. Jeder hat den Mercedes vor der Tür. Und nun soll man diesen Unsinn hier Glauben schenken? Nein, denn ich denke die meisten Bauern jammern wirklich auch hohem Niveau. Den meisten „Durchschnittsarbeitern“ geht es meiner Meinung nach schlechter.

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      2. Solche Betriebe gibt es durch aus. Aber für die meisten Betriebe (auch den unseren) gibt es das nicht und wir müssen unser Geld nun mal durch die Landwirtschaft verdienen was zugegebener maßen eher nicht mehr attraktiv erscheint. Daher werde ich mit 24 noch mal umlernen und wirtschafts Informatik. Da ich dort zumindest eine Planungssicherheit habe und auch besser verdiene!
        Unser Wein +obstbau werden wir wohl aufgeben.

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    2. Die Probleme können noch auf gute Betriebe in Zukunft zukommen,zB. Unternehmerische Freiheit wird eingeschränkt durch politische Entscheidungen wie Greendeal usw. Dann wird es trotz dickstem premium Schlepper ganz schnell eng.

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    3. Ich bin auch Milchbauer. Glaub mir,Mittagsschläfchen gibts nur am Sonntag. Habe immer Arbeit ohne Ende. Kann nur jedem jungen Empfehlen der einen Hof hat, einen anderen Beruf zu erlernen

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  3. Das bedeutet, das jeder Betrieb eine
    Garantierte Pleite früher oder später
    Ereilt. Um solche Unternehmen finanziell zu entlasten müßte die EU
    Alles Vorhandenes Vermögen an die
    Landwirte in der Eu zahlen.???
    Frage, wer soll das erarbeiten ???
    Wo sollen die der Ottonormalverdiener
    Von Leben?
    Welche Kreditinstitute geben Darlehen
    Für Traktor etc. Bei solchen Einkommen? Zumal man von 150000 Euro Darlehen bis zu 1 Million Euro
    Ausgeht. Da ist irgendwo der Wurm
    drin, zumal es keine Bedrohung für
    Die Betriebe bedeutet wenn bei Demonstrationen mit Traktoren einige
    Hundert Kilometer hin und zurück
    Mit teuren Diesel die Schieflage der
    Betriebe kundgegeben wird.
    Ein selbständiger Handwerker bekommt kein Darlehen, weil er keine
    Gehaltsabrechnung vorlegen kann,
    Jeder Landwirt kann kaufen kaufen kaufen, , obwohl er schon 2015 pleite
    War, nach den vorgelegten Bilanzen.???
    In den Medien wird die Landwirtschaft
    Als reichste Bodenbesitzer angekündigt, 100 Hecktar Land mal
    27500= 2750000..!!!!! Im Volkmund
    Sagt man, man soll eine fette Ganz nicht auch noch den Hintern zusätzlich
    Fetten.. ohne die Beispielsrechnung
    Würde keine Bank den Landwirten
    Soviel Darlehen gewähren, Sicherheiten
    Satt. Jeder Mensch ist seines Glückes
    Schmied.?? Soll der Luxus als Direktzahlung finanziert werden,? Oder
    Marode heruntergewirtschaftet Landwirtschaftsbetriebe.

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    1. etwas stimmt nicht in ihrer betrachtung 100 ha eigentum haben die Bauern keinesfalls!
      sondern nur 38,4 % der Betriebsfläche befindet sich im Eigentum der Landwirte die 62 ha sind aufgrund der umweltauflagen und hoffen auf kostendegression SEHR TEUER GEPACHTET und betriebswirtschaftlich meist sogar zu überhöhten preisen die nicht darstellbar sind.
      und der Grund warum die Bauern so viel ZEIT und Aufwand in die Demos stecken ist, dass sie die gutgemeinten Vorschläge für ihre Zukunft SATT haben, da sie nicht funktionieren werden. Nicht nur die Politik sondern auch alle „zukünftigen“ Landwirte wie SIE IMMER BESSER WISSEN ohne Ausbildung und Praxis in der Materie sollten sich mal ein zwei Tage Zeit für Einblicke in das Tagesgeschäft nehmen und dann reden! Dies hat erst kürzlich eine Tierschutzrechtlerin bekehrt und sie hat ihre Meinung ins genaue Gegenteil gedreht : die PRAKTIKER TUN ihr möglichstes für Tierwohl und Umwelt!

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      1. Hallo,
        das sind natürlich durchschnittliche Werte. Einzelbetrachtungen sind in dem Rahmen nicht möglich. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt derzeit bei 66 Hektar glaube ich. 59% der Agrarflächen sind verpachtet. Dabei sollte aber bedacht werden, dass die meisten Betriebe aus Eigentumsflächen plus gepachteten Flächen bestehen. Die katastrophale Bodenmarkt-Situation ist ein Thema für sich, welches ich gerne auch beleuchten kann.
        Ich bin zwar kein aktiver Landwirt (es ist für Neueinsteiger leider so gut wie unmöglich), aber ich habe sowohl Agrarökonomie studiert als auch aktiv in der Landwirtschaft und im Weinbau gearbeitet. Außerdem sind in meinem Bekannten- und Freundeskreis viele aktive Landwirte. Deshalb würde ich schon behaupten, dass ich etwas Einblick habe. Selbstverständlich betrachte und analysiere ich hier im Blog aber rein ökonomisch, an Hand der öffentlich zugänglichen Kennzahlen. Ich stehe inhaltlich 100% hinter den Bauern.
        Lg

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    2. Jetzt übertreiben Sie mal nicht! Darlehen bekommen Landwirte nur, weil sie mit ihrem Land und Vieh Sicherheiten hinterlegen müssen. Ganz normaler Vorgang. Dann müssen Sie mir mal den Landwirt zeigen, der 100 ha sein eigen nennt! Ich kenne hier keinen. Die meiste Fläche gehört den ausserlandwirtschaftlichen Bürgern, die teuer verpachten und uns zusätzlich Geld aus dem Säckel ziehen! Das ist die Realität!!!

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      1. Ka, das war natürlich überspitzt ausgedrückt. Ist mir bekannt.
        Wo kommen Sie her. Aus Bayern oder Ba-Wü? Es gibt große strukturelle Unterschiede von den Betriebsgrößen. Viel ist noch historisch bedingt.
        Bin inhaltlich ja voll bei Ihnen 🙂

  4. Ich denke, dass viele kleine Betriebe tatsächlich am Existenzminimum entlangschrammen. Wenn aber wir bei uns zwei Bauern aus den Altbundesländern auftauchten, sämtliche Höfe für Spottpreise von der Treuhand erwarben und sie nach Einbehaltung des Landes für das mehrfache des Kaufpreises wieder abschießen, braucht man sich über gewisse Diskussionen auch nicht wundern. Und bei Betriebsgrößen von über 1000ha die mit 2 oder 3 polnischen Arbeitern bewirtschaftet werden, bleibt genug Kapital für Investitionen. Da sollten dann schon auch Ausgaben für mehr Umweltschutz ohne Subventionen möglich sein.

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  5. Geiz ist geil
    Diese Mentalität der großen Konzerne
    Aldi und Co. ist meiner Meinung nach der Hauptverursacher der ganzen Misere.
    Jeder normal denkende Verbraucher müsste begreifen das dieses einkaufsverhalten früher oder später in die total falsche Richtung läuft .Doch dieses ist leider schon seit Jahren so.
    Alle verdienen an der Landwirtschaft ,viele nicht in der Landwirtschaft. So weit wie es nun leider schon gekommen ist ,dies hätte nicht sein brauchen .
    In der Pflegebranche ist es ähnlich.
    Wenn unsere gewählten Vertreter der Branche hier unsere Politiker viel mehr Weitsicht gezeigt hätten dann wären wir nun nicht da wo wir jetzt sind.Noch ist es nicht zu Spät gegenzusteuern .
    Doch mit schönen Reden ist es auch nicht getan.
    Wie kann es sein das ich als Schichtarbeiter mehr Freizeit habe wie Lohn und mein Zwillingsbruder der den Hof führt an allen Ecken und Enden knappsen muss ????

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  6. Sehr geehrte Leser,
    verstehen kann ich einige ihrer Kommentare nicht. Dieser Artikel beruht auf den knallharten Buchführungsergebnissen der landwirtschaftlichen Betriebe. Die Zahlen werden von etlichen Finanzamts Prüfern in Frage gestellt und dann doch in 90% der Fällen für richtig erachtet.
    Zudem ist der Gewinn nicht zu 100% als Arbeitslohn zu sehen den hieraus muss der Betrieb auch investieren und tilgen aber gut lassen wir das mal außer Betracht. Und ja meinetwegen auch die Arbeitszeit der Grund warum Landwirte derzeit auf die Straße gehen war nicht das Geld es geht um die Anerkennung und Wertschätzung.
    Desweiteren geht es um politisches verhalten wir Landwirte können alles sagte der bekannte Bauer Willi und die wichtige Ergänzung aber nicht ohne finanziellen Ausgleich! Viele Landwirte sind dazu bereit in großen Umfang Naturschutz zu betreiben ja auch Flächen brach zu lassen aber diese müssen dennoch davon leben können.
    Persönlich würde ich mir wünschen das wieder ein bessere Licht auf unsere heimische Landwirtschaft fällt den wir alle brauchen diese täglich zum Leben!

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    1. Hallo,

      ja da stimme ich zu. Ich denke, dass v.a. die Freiwilligkeit auch wieder mehr in den Vordergrund treten sollte. Landwirte wissen am besten wie Natur- und Umweltschutz funktioniert und welche Maßnahmen sie anwenden müssen dazu. Dass das nicht gratis sein darf, sollte selbstverständlich sein. Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen.

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  7. Bei Landwirten wird immer von luxus gesprochen wen eine neue Maschine finanziert wird ! Aber das immer neuere Auflagen den Einsatz vom neuen Maschinen notwendig machen da hat wohl keiner drüber nach gedacht. In der Industrie wo der Arbeitnehmer an einer Maschine für mehrere hundert Tausend Euro steht ist das wohl egal das sieht ja keiner die fährt ja nicht auf der Straße. Diese Maschinen können übrigens auch gefördert werden oder sind es auch .??????

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  8. Ich selbst arbeite in der Milchviehhaltung arbeite im Schichtdienst Sonntag und feiertags. Hab einen Stundenlohn von 9,15 Euro . von reich hab ich nichts gemerkt. Alle die klug reden ohne in der Landwirtschaft mal gearbeitet zu haben lade ich gern mal zu 7 Tage Schicht mitzuwirken

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  9. Wir Milchbauern sind „Restgeld-Empfänger“! Die Molkereien bieten dem LEH die Produkte zu unterirdischen Preisen an, ziehen dann Produktionskosten und eigenen Gewinn ab. Denn Rest bekommen wir dann ausbezahlt. Dann wollen die auch noch wissen, ob wir nachhaltig wirtschaften? Blöd nur wenn keiner die 3 Säulen von „Nachhaltigkeit“ beachtet. Die „Ökologie“ können wir beeinflussen bei unserer Arbeit mit Tier, Pflanze und Boden. Bei der „Ökonomie“ wird es schon problematisch mit den Milchpreisen die von der Molkerei gezahlt werden und die gesetzlichen Rahmenbedingungen wie z.B. Mindestlohn, die uns auferlegt werden. Das schlimmste ist aber die „soziale Komponente“ der Nachhaltigkeit, der kann kaum einer gerecht werden bei den landwirtschaftlichen Einkünften. 2x im Jahr in den Urlaub fahren, neue Handys für knapp 1000 € sind wichtiger für die Bevölkerung als hochwertige Lebensmittel! Die dürfen nichts kosten.

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  10. Die Arbeitsbelastung eines Getreidebauern ist nach Aussage eines
    Bauern (Schulfreund) ohne Viehzeug :
    3 Wochen für Aussaat und 3Woche für Ernte pro Jahr.
    „Gibt es was besseres?“, sagt der Freund.
    Das relativiert stark Ihrer Ausführung !

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  11. Vielleicht haben sie aber auch einfach viel Eigentum an Stelle von Pachtflächen…oder sie sind ausgesiedelt worden und haben beizeiten Baugrundstücke verkauft….

    All diejenigen die ich kenne (nur Milchbauern), die haben nämlich schon so ihre Sorgen in den letzten Jahren und fahren auch nicht mit dem dicken Benz durchs Land!!!

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