Dramatisches Höfesterben in der deutschen Landwirtschaft – Ursachen und mögliche Auswege

I. Einleitung

Die deutsche Landwirtschaft befindet sich seit Jahren in einem grundlegenden Strukturwandel. Von den knapp 800.000 landwirtschaftlichen Betrieben im Jahr 1980 sind heute nur noch rund 267.000 übrig[1]. Jedes Jahr geben knapp 8.000 landwirtschaftliche Betriebe auf[2]. Besonders betroffen vom Strukturwandel sind kleinere Betriebe bis 100 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) sowie Nebenerwerbsbetriebe, die immerhin die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe ausmachen[3]. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die maßgeblichen Treiber dürften jedoch ökonomische Gründe, technische Entwicklungen, sich verändernde Einstellungen und Verbraucherwünsche, alternative Erwerbsmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft und gestiegene gesellschaftliche Erwartungen sein[4]. Parallel dazu nimmt die durchschnittliche Betriebsgröße zu. Immer weniger Betriebe bewirtschaften immer größere Flächen und Tierbestände. Ermöglicht wurde diese enorme Produktivitätssteigerung durch technische Fortschritte in der Züchtung, im Pflanzenschutz und der Landtechnik. So ist ein Landwirt heute in der Lage etwa 140 Menschen zu ernähren[5]. Diese Effizienz ist jedoch auch mit hohen Investitionskosten verbunden. Mit etwa 580.000 Euro Kapital je Erwerbstätigen ist die Landwirtschaft deshalb die kapitalintensivste Branche[6].

Es ist davon auszugehen, dass das „Höfesterben“ weitergehen wird. Ständig neue Auflagen und Verbote der Politik verhindern jede Planungs- und Investitionssicherheit und führen zu großer Unsicherheit bei den Betriebsinhabern. Zusammen mit dem hohen wirtschaftlichen Druck und dem demographischen Wandel, finden viele Betriebe keinen Hofnachfolger mehr. Dazu kommt die zunehmende Liberalisierung der Agrarmärkte und die dadurch steigende Weltmarktpreisabhängigkeit der deutschen Landwirtschaft sowie eine erhöhte Preisvolatilität. Größere Betriebsstrukturen haben den Vorteil, dass sie zu einer besseren Einzelkostensituation führen und dadurch eine höhere Wettbewerbsfähigkeit erreicht werden kann. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass der Strukturwandel in der Landwirtschaft ein langfristiger Trend ist und die landwirtschaftlichen Betriebe tendenziell weiterwachsen werden. Eine kürzlich veröffentlichte Branchenanalyse der DZ BANK AG prognostiziert, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe auf etwa 100.000 im Jahr 2040 sinken und die durchschnittliche Betriebsgröße im gleichen Zeitraum, bei einer weitgehend unveränderten landwirtschaftlichen Gesamtnutzfläche, von derzeit 62,4 Hektar je Betrieb auf rund 160 Hektar steigen wird[7].

Im Folgenden sollen die verschiedenen Faktoren dargestellt werden, die für die schwierige wirtschaftliche Situation in der Landwirtschaft verantwortlich sind. Nur mit einem grundlegenden Verständnis der wirtschaftlichen Mechanismen auf den in- und ausländischen Agrarmärkten können Wege gefunden werden, wie die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise stabilisiert und gesteigert werden können. So könnten der deutschen Landwirtschaft neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnet werden und bestenfalls die vielfältigen heimischen Agrarstrukturen erhalten werden.

II. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)

1. Die Entwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU

Vor dem Hintergrund des zweiten Weltkrieges und der Hungerkatastrophen in der Nachkriegszeit, galt die Priorität im europäischen Einigungsprozess einer gemeinsamen Agrarpolitik, welche geeignet war, die Produktivität in der Landwirtschaft zu fördern, die Märkte zu stabilisieren und dabei der landwirtschaftlichen Bevölkerung eine angemessene Lebenshaltung zu sichern. Im Jahr 1957 wurden diese Ziele und Aufgaben in den römischen Verträgen durch die Gründerstaaten der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) verankert. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) trat dann offiziell 1962 mit der Marktorganisation für Getreide in Kraft. Mit der Festsetzung eines Mindestpreises für Getreide 1967 sollte ein bestimmtes Erzeugerpreisniveau in der Landwirtschaft abgesichert werden. Der Staat war verpflichtet, jegliches ihm angebotenes Getreide mit einer bestimmten Qualität zu diesem Mindestpreis anzukaufen. Dazu wurde der EWG-Binnenmarkt durch hohe Importzölle geschützt[8].

Die Maßnahmen kurbelten die Produktion enorm an und führten dazu, dass die EWG ab den frühen 70er Jahren bei Milch und Milchprodukten und ab 1982 bei allen anderen Agrarrohstoffen einen Selbstversorgungsgrad von mehr als 100 Prozent erreicht hatte. Die überproduzierten Waren wurden nun teilweise eingelagert oder mit Exportsubvention auf dem Weltmarkt verkauft. Weil diese Interventionen jedoch keiner Mengenbeschränkung unterlagen, entstanden den Mitgliedstaaten enorme Kosten. Um die weitere Finanzierbarkeit der Gemeinsamen Agrarpolitik zu gewährleisten, wurden daraufhin verschiedene Maßnahmen wie etwa Produktionsquoten oder die Senkung der garantierten Preise eingeführt. Die erwünschte Wirkung konnte dadurch jedoch nicht erreicht werden. Da die EWG sich durch die staatlich geförderte Überproduktion von Agrarrohstoffen mehr und mehr zum Nettoexporteur entwickelte und gleichzeitig die inländischen Agrarmärkte durch protektionistische Maßnahmen schützte, monierten andere Länder dies in der sogenannten Uruguay-Runde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) von 1986-1994. Die Europäische Union (EU) verpflichtete sich mit der Unterzeichnung des Übereinkommens zur Errichtung der Welthandelsorganisation (WTO) daraufhin dazu, die interne Markt- und Preisstützung abzubauen, die Importzölle auf Agrarerzeugnisse zu senken und die Exportbeihilfen zu reduzieren. Dadurch kam zu einer gewissen Liberalisierung der Gemeinsamen Agrarpolitik und zu einer Abkehr von der bis dahin praktizierten Markt- und Preisstützung.

In den folgenden Jahren wurden diese Reformen dann schrittweise umgesetzt. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist sicherlich die sogenannte MacSharry-Reform von 1992, durch welche die flächengebundenen Direktzahlungen als Ausgleich für die Landwirte beziehungsweise als direkte Einkommensstützung eingeführt wurden und nun erstmals auch Umweltbelange Einzug in die GAP fanden. Im Rahmen der Agenda 2000 wurden die Direktzahlungen angehoben sowie eine fakultative Umweltkonditionierung eingeführt, mit der die Mitgliedsstaaten die Direktzahlungen an die Einhaltung von Umweltvorschriften verknüpfen konnten. Außerdem wurde die sogenannte zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik eingeführt, deren Ziel die Förderung der Entwicklung der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes durch langfristige Maßnahmen ist. Beispielsweise wurden dadurch Investitionen in moderne Stallbauten und Landmaschinen, umweltverträgliche Landbewirtschaftung, Direktvermarktung, den Aufbau alternativer Erwerbsmöglichkeiten für Landwirte, Dorferneuerungen, Flurbereinigung und Infrastrukturmaßnahmen ermöglicht.

Ein weiterer Wendepunkt in der Gemeinsamen Agrarpolitik war dann die Agrarreform von 2003. Durch die Entkoppelung der Direktzahlungen von der Produktion wurde dazu beigetragen, dass die Wettbewerbsverzerrungen im internationalen Handel weiter abgebaut werden konnten. Um die Direktzahlungen in voller Höhe zu erhalten, müssen die Landwirte im Rahmen der so genannten „Cross Compliance“ zahlreiche im Fachrecht vorgesehene Verpflichtungen des Umwelt-, Tier- und Pflanzenschutzes, bei der Tiergesundheit, beim Boden- und Gewässerschutz sowie bei der Lebensmittelsicherheit erfüllen und die Flächen in einem guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand erhalten. Mit der letzten Reform Ende 2013 wurde der Kurs der Liberalisierung der Landwirtschaft fortgesetzt und die Gemeinsame Agrarpolitik noch stärker auf die Entlohnung gesellschaftlicher Leistungen ausgerichtet. Neu war das sogenannte „Greening“ der Direktzahlungen, durch welches die Landwirte die Direktzahlungen nur dann erhalten, wenn sie konkrete Umweltleistungen erbringen[9].

Durch die Abkehr von protektionistischen Maßnahmen und der Markt- und Preisstützung und der Einführung der an die Fläche gebundenen Direktzahlungen als direkte Einkommensstützung, kam es insgesamt zu einer stärkeren Marktöffnung und zur Integration der EU in die Weltmärkte. Jedoch kommt es auch durch die derzeitige Agrarförderung zu Fehlanreizen und zu einer Vergeudung von Produktionsfaktoren. So wird es beispielsweise durch die Ausgleichszahlungen möglich, dass die Landwirte ihre Erzeugnisse zu Preisen unterhalb ihrer Produktionskosten verkaufen können. Es steht also nicht mehr die Produktion von gewinnbringenden Gütern im Vordergrund, sondern vielmehr dient die Produktion nur noch dem Erlangen der Ausgleichszahlungen. Diese wiederum werden zur Deckung des sich einstellenden Defizits benötigt. Dazu kommt, dass sich die derzeitige GAP durch eine besonders hohe Regelungsdichte sowie einen besonders hohen und personalintensiven Verwaltungs- und Kontrollaufwand auszeichnet. Auch an den hohen Kosten der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) hat sich durch die Reformen kaum etwas geändert. Sie ist nach wie vor mit Abstand der größte Ausgabenblock im EU-Haushalt[10].

2. Abhängigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe von der Agrarförderung

Für staatliche Eingriffe in die Landwirtschaft gibt es gute Gründe, die im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) festgelegt sind (Art. 39):

  1. Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft durch Förderung des technischen Fortschritts und durch bestmöglichen Einsatz der Produktionsfaktoren, insbesondere der Arbeitskräfte;
  2. Gewährleistung eines angemessenen Lebensstandards für die landwirtschaftliche Bevölkerung;
  3. Stabilisierung der Märkte;
  4. Sicherstellung der Versorgung;
  5. Sicherstellung angemessener Preise für die Verbraucher[11].

Deshalb unterstützen die EU und der Bund die landwirtschaftliche Produktion mit hohen Agrarfördermitteln und teilweise immer noch mit protektionistischen Maßnahmen. Durch die eigene landwirtschaftliche Produktion erhält sich ein Land die Versorgungssicherheit und macht sich in gewisser Weise unabhängig von Lebensmittelimporten und von Schwankungen auf dem Weltmarkt. Außerdem kann nur so die Ernährungssouveränität, d.h. die Selbstbestimmung über die Kriterien, unter denen Nahrungsmittel angebaut werden, bewahrt werden. Außerdem geht es um die zahlreichen Zusatzleistungen der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft erzeugt nämlich neben marktfähigen und qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln auch nicht marktfähige öffentliche Güter („Kuppelproduktion“), wie etwa die Pflege und den Erhalt der Kulturlandschaft, den Schutz der biologischen Vielfalt (Biodiversität) und den wichtigen Beitrag zur Erhaltung der ländlichen Räume. Daher wird auch von der Multifunktionalität der Landwirtschaft gesprochen. Bei einer Auslagerung der Landwirtschaft ins Ausland müsste der Staat diese Leistungen erbringen, was zweifelslos deutlich teurer werden würde[12].

Insgesamt stehen für die Agrarförderung in Deutschland von 2014 bis 2020 jährlich rund 6,2 Milliarden Euro aus EU-Mitteln (GAP) zur Verfügung, die sich auf zwei Säulen aufteilen. Die Direktzahlungen (EGFL) aus der ersten Säule machen mit rund 4,85 Milliarden Euro pro Jahr den größten Anteil aus und werden je Hektar landwirtschaftlicher Fläche gewährt. Aus der zweiten Säule werden freiwillige Agrarumweltmaßnahmen der Landwirtschaft und die ländliche Entwicklung (ELER) gefördert. Ohne diese Fördermittel wäre der Fortbestand der heimischen Landwirtschaft undenkbar[13].

Wie abhängig die heimischen bäuerlichen Betriebe von den Direktzahlungen sind, zeigt sich bei einem Blick in die Statistik. Von den rund 267.000 landwirtschaftlichen Betrieben, von denen jeder zweite nur noch im Nebenerwerb bewirtschaftet werden kann, betrug das landwirtschaftliche Einkommen (Gewinn plus Personalaufwand) für die Klein- und Nebenerwerbsbetriebe durchschnittlich 17.775 Euro je Arbeitskraft bei einem Anteil der Agrarfördermittel am Einkommen von 92,5 Prozent und für die Haupterwerbsbetriebe durchschnittlich 37.618 Euro je Arbeitskraft bei einem Anteil der Agrarfördermittel am Einkommen von 40,5 Prozent. Einen Sonderfall stellen die von juristischen Personen bewirtschafteten Betriebe in den neuen Bundesländern dar, die ein landwirtschaftliches Einkommen von durchschnittlich 40.023 Euro je Arbeitskraft bei einem Anteil der Agrarfördermittel am Einkommen von 55,2 Prozent erzielten[14].

Beim näheren Blick auf die unterschiedlichen Betriebsformen der Haupterwerbsbetriebe wird ersichtlich, dass der durchschnittliche Anteil der Agrarfördermittel am Jahreseinkommen (Gewinn plus Personalaufwand) mit rund 75 Prozent am höchsten in Futterbaubetrieben, gefolgt von rund 61 Prozent in Ackerbaubetrieben und rund 58 Prozent in Gemischtbetrieben ist[15].

Etwa 95 Prozent aller landwirtschaftlichen Antragssteller erhielten insgesamt weniger als 50.000 Euro Direktzahlungen und etwa 44 Prozent weniger als 5.000 Euro. Auffällig ist außerdem, dass etwa 1,7 Prozent der Antragssteller mehr als 100.000 Euro Agrarfördermittel pro Betrieb erhielten. Bei diesen Betrieben handelt es sich um Großbetriebe. Weil die Direktzahlungen je Hektar landwirtschaftlicher Fläche gewährt werden, entsteht hierdurch also ein Anreiz zum Betriebswachstum.

III. Preisbildung auf Agrarmärkten und geringe Wertschöpfung der Landwirtschaft

Grundsätzlich ist der Preis auf einem funktionierenden Markt ein Ausdruck der Versorgungslage. Er signalisiert, ob Angebot und Nachfrage nach einem Gut relativ nahe beieinander sind und sich im Gleichgewicht befinden. Falls das nicht der Fall ist, dann sorgen steigende oder fallende Preise dafür, dass sich Angebot und Nachfrage wieder annähern. Der Preis ist also ein Marktsteuerungsinstrument[16]. Da es sich bei Agrargütern in der Regel um austauschbare, homogene Rohstoffe (Commodities) handelt, kann der Landwirt das Preisniveau kaum über einzelne Qualitätskriterien beeinflussen. Im Gegensatz zu den hochdifferenzierten Endprodukten der Lebensmittelverarbeitenden Unternehmen ist die Wertschöpfung für diese Commodities gering. Deshalb ist der Landwirt ein Preisnehmer. Das bedeutet, dass er auf die Preisbildung keinen Einfluss hat. Er kann sich nur überlegen, wie viele seiner Agrargüter er zum Marktpreis anbieten möchte[17]. Aus diesem Grund ist der Landwirt bestrebt, dass seine betrieblichen Stückkosten niedriger sind als der Stückpreis, der er beim Verkauf erzielt, da diese Differenz seinen Gewinn bestimmt. Um aber die Stückkosten zu senken und um sich von seinen Konkurrenten abheben zu können, muss er seine Produktivität erhöhen, indem er beispielsweise bessere Maschinen kauft, ertragreichere Sorten anbaut oder bessere Düngemittel einsetzt. Dieser Produktivitätssteigerungen sind, wie bereits beschrieben, natürliche Grenzen gesetzt, da der Boden, der in der Landwirtschaft der wichtigste Produktionsfaktor ist, nicht beliebig vermehrt werden kann[18]. Dennoch ist es den Landwirten in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, ihre Produktivität durch intensive Bewirtschaftung zu steigern. Dieser enorme Kostendruck führt in der Landwirtschaft zu einem intensiven, über die Kosten ausgetragenen Verdrängungswettbewerb nach dem Motto „Wachse oder Weiche“[19].

Weil die Nachfrage der Konsumenten unelastisch ist beziehungsweise nur unwesentlich zunimmt, wenn der Preis sinkt, ist auch die Nachfrage der Verarbeiter und des Handels nach landwirtschaftlichen Rohstoffen unelastisch. Das bedeutet, dass das rasch steigende Angebot an den Agrarmärkten auf eine nur langsam wachsende Nachfrage trifft[20]. Jede Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft führt also in erster Linie zu Überkapazitäten, durch welche wiederum die Preise fallen und das Einkommen der Landwirte sinkt. Der englische Statistiker Gregory King (*1648, †1712) hatte diese großen Preisschwankungen auf freien Agrarmärkten bereits erkannt und die sogenannte Kingsche-Regel aufgestellt, nach der die geringe Elastizität der Nachfrage[21] nach Weizen die Getreidepreise stärker schwanken lässt. Ein Rückgang des Weizenangebots führt demnach im Allgemeinen zu einer prozentual größeren Preissteigerung[22].

So kommt es, dass obwohl die privaten Ausgaben für Nahrungsmittel aufgrund des hohen Lohnniveaus und der niedrigen Lebensmittelpreise in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen sind, der Anteil der Konsumausgaben für Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke und Tabakwaren an den Gesamtausgaben in den vergangenen Jahrzehnten auf einem konstant niedrigen Niveau geblieben ist[23][24]. Seit den 70er Jahren ist der Prozentanteil für Nahrungsmittelausgaben an den Konsumausgaben der privaten Haushalte kontinuierlich rückläufig und beträgt heute nur noch knapp 14 anstelle von damals knapp 25 Prozent. Gleichzeitig sinkt der Erlösanteil der Landwirte an den Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel inländischer Herkunft. Lag der Anteil Anfang der 70er Jahre noch bei 48 Prozent, so hat er sich mit durchschnittlich 21 Prozent heute bereits mehr als halbiert. Besonders stark ist der Unterschied zwischen tierischen und pflanzlichen Produktgruppen. Beträgt der Erlösanteil bei den tierischen Produkten etwa 22 Prozent, so liegt der Anteil der Erzeugererlöse bei den pflanzlichen Produkten nur bei etwa 4 Prozent[25]. Insgesamt ist zu beobachten, dass die in der Landwirtschaft erzeugte Wertschöpfung stark rückläufig ist und sich immer mehr auf die Verarbeitung und Vermarktung von Nahrungsmitteln verlagert. Da die absoluten Konsumausgaben für Nahrungsmittel seit Jahren ansteigen und der Erlösanteil der Landwirte gleichzeitig immer weiter sinkt, muss die Handels- und Verarbeitungsmarge zugenommen haben[26].

IV. Inländischer Markt – Starke Marktmacht auf der Abnehmerseite

In fast allen Ländern ist der Markt für Agrarrohstoffe dadurch charakterisiert, dass es eine starke Marktmacht auf der Nachfrageseite, in Form der Lebensmittelindustrie und dem Lebensmittelhandel, gibt. Die Angebotsseite ist durch eine polypolistische Struktur gekennzeichnet, d.h. die Anzahl der Marktteilnehmer ist groß und ihr Anteil am Markt entsprechend gering[27]. Die Konkurrenz zwischen den landwirtschaftlichen Erzeugern ist dementsprechend groß, weshalb es ihnen auf den Agrarmärkten i.d.R. nicht gelingt, einzeln oder gemeinsam Einfluss auf die Agrarmärkte und -preise zu nehmen[28]. Dadurch kommt es zwangsläufig zu besonders niedrigen Preisen, da die Anbieter, in dem Fall die Landwirte, mangels Alternative an diese wenigen Nachfrager verkaufen müssen und sich deren Bedingungen fügen müssen.

Zu dem Preisdruck aufgrund der Überproduktion kommt eine grundsätzlich schwache Verhandlungsposition der Landwirte gegenüber der hochkonzentrierten Lebensmittelindustrie (v.a. Fleisch, Milch und Zucker) und dem Lebensmittelhandel[29]. Nach Kenntnis des Bundeskartellamts werden die Wettbewerbsbedingungen im Lebensmitteleinzelhandel von den vier großen Gruppen Edeka, Rewe, Aldi und dem Schwarz-Konzern dominiert[30]. Gemeinsam beanspruchen sie einen Marktanteil von rund 70 Prozent[31]. Mit etwa 169 Milliarden Euro Bruttoumsatz haben sie 2018 etwa 66 Prozent des Umsatzes der 30 größten Lebensmittelhändler in Deutschland erwirtschaftet[32]. In Hinblick auf die Marktdurchdringung nehmen diese Unternehmen die Funktion eines „Gatekeepers“ ein. Dadurch sind die genannten Unternehmen grundsätzlich in der Lage, ihre starke Marktposition und die hohen Beschaffungsmengen in den Verhandlungen mit der Lebensmittelindustrie zu ihrem Vorteil zu nutzen und niedrige Einkaufspreise zu erzielen. Denn obwohl nur ein Teil der Agrarprodukte (<40% Milch, 35-40% Fleisch, 50% Obst und Gemüse) über den Lebensmittelhandel abgesetzt wird, ist er für die gesamte Preisbildung der im Inland abgesetzten Mengen relevant, da sich auch die inländischen übrigen Absatzkanäle danach richten. Den Verarbeitungsunternehmen steht jedoch der Export als alternative Absatzmöglichkeit offen, weswegen der tatsächliche Einfluss des Lebensmittelhandels auf die Preisbildung begrenzt ist. Die über den Lebensmittelhandel erzielbaren Preise befinden sich im Gleichgewicht zu den im Export erzielbaren Preisen (Weltmarktpreis)[33].

Deshalb sind es die Unternehmen der Lebensmittelindustrie, die sich bei den (Kontrakt)Ausschreibungen des Lebensmittelhandels gegenseitig unterbieten, weil sie sich in einem intensiven Verdrängungswettbewerb befinden. Der Lebensmittelhandel, der sich selbst auch in einem permanenten Preiswettbewerb befindet, profitiert lediglich von diesem Unterbietungswettbewerb und kann die erzielten Preisabschläge an seine Kunden weitergeben[34]. Leitragende bei dieser marktgerechten Vorgehensweise sind die Landwirte, die nur äußerst selten direkte Lieferbeziehungen zum Lebensmittelhandel unterhalten und deshalb kaum eine Möglichkeit haben, ihre Kosten in der landwirtschaftlichen Erzeugerstufe über den Handel an den Kunden zu überwälzen und kostendeckende Erzeugerpreise zu erzielen[35]. Es gibt auch kaum Möglichkeiten für die Landwirtschaft, über Produktdifferenzierung oder besondere Absatzkanäle ihre Wertschöpfung zu erhöhen[36].

Der Vollständigkeit halber sei hier noch das kartellrechtliche Verbot des Verkaufs unter Einstandspreis erwähnt, welches irrigerweise von großen Teilen der Politik als Lösungsmöglichkeit für höhere Erzeugerpreise betrachtet wird, wovon jedoch keine Rede sein kann[37]. Konkret sollen dadurch kleine und mittlere Wettbewerber vor der Marktverdrängung durch große Händler geschützt werden, indem diese keine Lebensmittel unterhalb des Einstandspreises[38], den die Händler an die Lieferanten zahlen, an Verbraucher abgeben dürfen (§20 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 GWB). Das Verbot tangiert also die Erzeugerpreise gar nicht. Im Gegenteil ist sogar eher davon auszugehen, dass ein noch strikteres Verbot von Verkäufen unter Einstandspreisen dazu führen würde, dass der Verhandlungsdruck auf die Erzeuger bei einem solchen Verbot noch größer würde, damit die Endkundenpreise nicht erhöht werden müssen[39]. Gleiches gilt entsprechend für das in der europäischen UTP-Richtlinie geforderte Verbot der Handelspraktiken der sogenannten „schwarzen Liste“, welches bald in nationales Recht umgesetzt werden soll[40].

V. Ausländische Agrarmärkte – Auswirkungen des Agrarfreihandels

1.    Das Ricardo-Modell – Theorie der komparativen Kostenvorteile

Immer wieder wird betont, auch von der derzeitigen Bundesregierung, dass internationaler Freihandel dazu führe, dass Kosten sinken und Preise fallen. Dadurch würden sich Chancen für heimische Unternehmen, für Arbeitnehmer sowie Vorteile für Verbraucher ergeben[41]. Der wirtschaftstheoretische Grundstein für diese Annahme wurde von David Ricardo (1772 – 1823) in seinem Buch „Principles of Political Economy and Taxation“ (1817) gelegt, in welchem er der Frage nach den Vorteilen der Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Staaten nachging[42].  Seine auch heute noch gültige Theorie der komparativen Vorteile besagt, dass sich Handel auch für die Länder lohne, die bei allen Gütern Preisvorteile aufweisen, weil sie diese billiger produzieren könnten als andere Länder. Umgekehrt lohne sich der Handel auch für Länder, die bei allen Gütern Kostennachteile gegenüber anderen Ländern hätten,[43]. Ricardo demonstrierte dies anhand des Handels zwischen England und Portugal mit Tuch und Wein. In diesem Beispiel besitzt Portugal einen absoluten Kostenvorteil bei der Produktion beider Güter, da für die Herstellung in Portugal weniger Arbeitsstunden benötigt werden.

Arbeitsstunden zur Produktion einer Einheit Tuch und einer Einheit Wein

 TuchWein
England100120
Portugal9080

In England werden für die Produktion einer Einheit Tuch 100 Arbeitsstunden und für die Produktion einer Einheit Wein 120 Arbeitsstunden benötigt. Portugal kommt dagegen mit 90 Arbeitsstunden für die Produktion einer Einheit Tuch und 80 Arbeitsstunden für die Produktion einer Einheit Wein aus. Trotzdem lohnt es sich wegen der Opportunitätskosten für Portugal auf die Tuchproduktion zu verzichten. England hat aufgrund geringerer Opportunitätskosten einen komparativen Vorteil bei der Tuchproduktion und Portugal bei der Weinproduktion.

Opportunitätskosten

 Wein in TucheinheitenTuch in Weineinheiten
England120/100 = 1,20100/120 = 0,83
Portugal80/90 = 0,8990/80 = 1,125

Wenn sich also England auf die Produktion von Tuch und Portugal auf die Produktion von Wein spezialisiert, dann steigern beide Länder ihre Produktivität bei dem jeweiligen Gut und können die Überschüsse so zwischen sich aufteilen, dass beide davon profitieren. Obwohl die Theorie der komparativen Vorteile immer wieder weiterentwickelt und auch kritisiert wurde, dient sie bis heute dazu, den wirtschaftlichen Nutzen der Spezialisierung und des internationalen Freihandels gegenüber dem volkswirtschaftlichen Schaden von Schutzzöllen zu demonstrieren[44].

Das Problem an der Theorie der komparativen Vorteile ist, dass die Landwirtschaft in fast allen industrialisierten Ländern zu Verlierern des Freihandels wird. Da sich in allen anderen Branchen wesentlich mehr Wertschöpfung pro Arbeitskraft erzielen lässt, werden die Opportunitätskosten viel zu hoch und die landwirtschaftliche Produktion lohnt sich nicht mehr. Im Gegensatz zur Industrie- und Dienstleistungsbranche, wo das Kapital die Produktionsmöglichkeiten wesentlich bestimmt, kann der wichtigste Produktionsfaktor der Landwirtschaft, der Boden, nicht vermehrt werden. Dadurch sind der Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft enge Grenzen gesetzt, egal wie sehr sich die Landwirte bemühen ihre Produktion zu intensivieren. Dadurch hat sich in fast allen industrialisierten Ländern ein komparativer Nachteil in der Landwirtschaft herausgebildet. Folgt man der allgemeingültigen Theorie der komparativen Vorteile, dann müsste die Landwirtschaft normalerweise in weniger entwickelte Länder, die in der landwirtschaftlichen Produktion einen komparativen Vorteil haben, verlagert werden und wir sollten die landwirtschaftlichen Produkte aus diesen Ländern billig importieren.

2. Deutsche Agrarexporte und -importe

Deutschlands Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln liegt nur bei 88 Prozent. Nur bei Schweinefleisch (119%), Weizen (107%), Weiß- und Rotkohl (105%), Konsummilch (111%), Zucker (161%) und Kartoffeln (138%) erzeugt die deutsche Landwirtschaft mehr als wir verbrauchen. Dazu kommen noch die verarbeiteten Frischmilcherzeugnisse (117%) und Käse (126%). Bei allen anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen liegt der Selbstversorgungsgrad weit unter 100 Prozent. Somit ist Deutschland ein Nettoimporteur von Gütern der Agrar- und Ernährungswirtschaft[45]. Im Jahr 2017 betrugen die deutschen Agrarexporte 73,3 Milliarden Euro und es wurden Agrargüter im Wert von 85,6 Milliarden Euro importiert. Insgesamt wird rund ein Drittel der landwirtschaftlichen Gesamtproduktion in Deutschland exportiert.  Seit dem Jahr 2000 sind die deutschen Agrarexporte um über 160 Prozent gestiegen und stellen damit einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Die deutschen Agrarexporte machen 5,7 Prozent des deutschen Gesamtexports aus. Durch diese Wertschöpfung werden zahlreiche Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen und der Wohlstand gefördert. Zwar gibt es keine direkte Exportsubvention mehr, jedoch fließen in geringem Maße trotzdem Mittel in staatliche Exportförderprogramme, wie beispielsweise das Auslandsmesseprogramm des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Von der Wertschöpfung des Agrarexports profitiert überwiegend die deutsche Ernährungswirtschaft. Der überwiegende Anteil der Exporte besteht aus verarbeiteten oder veredelten landwirtschaftlichen Produkten, insbesondere Fleisch und Fleischerzeugnisse (9,8 Milliarden Euro), Milch und Milcherzeugnisse (9,8 Milliarden Euro), Getreideerzeugnisse und Backwaren (9,1 Milliarden Euro), Kakao und Kakaoerzeugnisse (5,5 Milliarden Euro) sowie Bier und Wein (etwa 1 Milliarde Euro)[46].

Das liegt vor allem daran, weil beim Export von reinen Agrarrohstoffen nur geringe Preise erzielt werden können. Auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) betont, dass es für Deutschland „wirtschaftlich am sinnvollsten“ sei, wenn Güter mit möglichst hoher Wertschöpfung exportiert werden. Deshalb haben unverarbeitete Agrarerzeugnisse, wie beispielsweise Getreide, Kartoffeln sowie frisches Obst und Gemüse, auch nur einen Anteil von etwa 10 Prozent an den Agrarexporten. 

Gemäß der Theorie der komparativen Vorteile sind die deutschen Landwirte nicht in der Lage wettbewerbsfähig für den Weltmarkt zu produzieren. Deshalb wäre es aus rein ökonomischer Perspektive deutlich sinnvoller, wenn Agrarrohstoffe für die Lebensmittelindustrie künftig nur noch billig importiert werden würden und anschließend mit den produzierten hochverarbeiteten Lebensmitteln gehandelt werden würden. Das hätte jedoch die Abwicklung der heimischen Landwirtschaft zur Folge. Derzeit wird der Agrarexport durch die aus dem Kostendruck und den Fehlanreizen resultierende landwirtschaftliche Überproduktion und den damit verbundenen Preisverfall ermöglicht. Die Direktzahlungen erlauben es, dass die Landwirte ihre Agrargüter zu Preisen unterhalb der Erzeugungskosten verkaufen können. Dadurch subventionieren die Landwirte indirekt und zu Lasten ihres eigenen Einkommens die Lebensmittelindustrie, die dann wiederum mit ihren verarbeiteten Produkten die eigentliche Wertschöpfung erzielen.

Außerdem gibt es beim Import und Export von reinen Agrarrohstoffen ebenfalls eine starke Marktmacht auf der Nachfrageseite. Der Markt wird von den vier Unternehmen Archer Daniels Midland (ADM), Bunge, Cargill und die Louis Dreyfus Company dominiert, die zusammen einen Marktanteil von rund 70 Prozent haben. Daraus resultiert, dass es beim Export von Agrarrohstoffen eine ähnliche Situation wie im Inland gibt und die genannten Unternehmen mit ihrer starken Marktposition großen Einfluss auf die Preisverhandlungen sowie die Anbaubedingungen nehmen können[47].

3. Auswirkungen des Freihandels auf Entwicklungsländer

Aktuell leiden etwa 821 Millionen Menschen auf der Welt unter Hunger und chronischer Unterernährung. Etwa 5,6 Millionen Kinder sterben jährlich an Hunger. Betroffen sind vor allem die Ärmsten. Um die Armut zu bekämpfen und mehr Verteilungsgerechtigkeit zu erreichen, sollen nach Ansicht der Bundesregierung und vieler weiterer Akteure die betroffenen Entwicklungs- und Schwellenländer am Agrarfreihandel teilnehmen, um dadurch genügend Einkommen sicherzustellen und wohlfahrtssteigernde Effekte zu generieren[48]. Für die Entwicklungsländer (Least Developed Countries (LDC)) erweist sich der Agrarfreihandel in den meisten Fällen jedoch als Bumerang.

Exportiert werden vor allem landwirtschaftliche Rohstoffe, wie beispielsweise Kaffee, Tee, Zucker, Baumwolle, Fisch oder Bananen, deren Anbau meist nur mit wenig Wertschöpfung verbunden ist. Die Umstellung auf einige wenige landwirtschaftliche Rohstoffe, die für den Export geeignet sind, kommt jedoch nicht dadurch zustande, dass die Kleinbauern in diesen Ländern einfach ihre Produktion umstellen. Weil sich der Anbau erst ab einer gewissen Größe lohnt, ist die Umstellung der landwirtschaftlichen Produktion also immer auch gleichbedeutend mit einer Konzentration in der Landwirtschaft auf wenige kapitalintensive Großbetriebe mit Plantagenwirtschaft. Dadurch verlieren viele Kleinbauern ihre Existenzgrundlage. Diese Großbetriebe erfordern nicht nur hohe Investitionen, sondern sie sind auch abhängig von Importen von Landmaschinen, Saatgut, Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln. Eine Umkehr dieser Umstellung auf eine exportorientierte Landwirtschaft zurück zur traditionellen, auf Selbstversorgung ausgerichteten Landwirtschaft ist anschließend nicht mehr möglich.

Wie bereits erläutert, verringert der Produktivitätsanstieg in der Landwirtschaft bei unelastischer Nachfrage den Wohlstand eines Landes erheblich. Im Unterschied zu den Industrieländern, wo der Anteil der Landwirte an der Bevölkerung nur wenige Prozent beträgt, kommt es dadurch in den Entwicklungs- und Schwellenländern, wo die Landwirte die Mehrheit der Bevölkerung sind, auch zu einer Verarmung der Mehrheit der Bevölkerung. Und dort, wo es tatsächlich gelingt mehr Einnahmen durch Exporte zu generieren, profitieren lediglich die wenigen landwirtschaftlichen Großbetriebe mit Plantagenwirtschaft sowie die im Agrobusiness und in der Lebensmittelverarbeitung tätigen internationalen Großkonzerne[49].

VI. Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen für die Politik

Wie dargelegt, gibt es drei maßgebliche Gründe für die wirtschaftlich schwierige Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe. Die zunehmende Liberalisierung der Agrarmärkte und die Agrarförderung mittels an die Fläche gebundenen Direktzahlungen liefert der Landwirtschaft verfehlte Anreize. Landwirtschaft wird nicht mehr ausschließlich zur Erzeugung marktfähiger Güter betrieben, sondern dient in erster Linie der Erlangung der Fördermittel. Das regt die Überproduktion an und ermöglicht es, dass Landwirte ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu Weltmarktpreisen, die i.d.R. niedriger als die Produktionskosten sind, verkaufen können beziehungsweise müssen. So kommt es, dass das Einkommen vieler Landwirte zu einem erheblichen Teil von den Agrarfördermitteln abhängig ist. Einen erheblichen Teil dieser Fördermittel reichen die Landwirte meist an die vor- und nachgelagerten Branchen weiter, beispielsweise für den Kauf von Landmaschinen, die Pacht, Futtermittel, Saatgut, Düngemittel oder Pflanzenschutzmittel, um dadurch die Produktivität weiter steigern zu können. Insgesamt konnte der Schwenk von der protektionistischen Markt- und Preisstützung hin zur Förderung über flächenbezogene Direktzahlungen weder die Ausgaben für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) senken, noch den Strukturwandel in der Landwirtschaft aufhalten. Dafür profitiert die Lebensmittelindustrie von der aktuellen Gemeinsamen Agrarpolitik, da ihre weltweite Wettbewerbsfähigkeit durch die billigen Agrarrohstoffpreise gesichert ist, sowie die Verbraucher aufgrund der niedrigen Lebensmittelpreise.

Im Inland haben die Landwirte kaum eine Chance ihre Erzeugerkosten über den Handel an den Verbraucher weiterzugeben. Der hochkonzentrierte Lebensmittelhandel fungiert als „Gatekeeper“ und spielt eine wichtige Rolle für die gesamte Preisbildung im Inland. Weil die Unternehmen der Lebensmittelindustrie jedoch den Export als alternativen Absatzkanal nutzen können, sollte der Einfluss des Lebensmittelhandels auf die Preisbildung nicht zu hoch eingeschätzt werden. Sicherlich haben die starke Marktposition und die hohen Beschaffungsmengen einen Einfluss, aber die niedrigen Erzeugerpreise resultieren vor allem daraus, dass die Unternehmen der Lebensmittelindustrie, die sich ebenfalls in einem Verdrängungswettbewerb befinden, sich bei den Ausschreibungen des Lebensmittelhandels gegenseitig unterbieten. Leidtragende sind dann die Landwirte, deren Erzeugerpreise immer weiter sinken. Die Zahl der Landwirte, die direkte Lieferbeziehungen zum Lebensmittelhandel unterhalten, ist gering und es gibt für sie kaum Möglichkeiten ihre Wertschöpfung über Produktdifferenzierung oder besondere Absatzkanäle zu erhöhen.

Vom Agrarfreihandel können nur einige wenige Großbauern profitieren, die sich auf den Anbau von sogenannten „Cash Crops“[50] spezialisieren und aus der Kombination von Subventionen und Freihandel etwas Profit ziehen können. Gemäß der Theorie der komparativen Vorteile sind die deutschen Landwirte jedoch grundsätzlich nicht in der Lage wettbewerbsfähig für den Weltmarkt zu produzieren, weil der wichtigste landwirtschaftliche Produktionsfaktor, der Boden, der Produktivitätssteigerung natürliche Grenzen setzt. Eine Ausweitung des Agrarfreihandels setzt die heimische Landwirtschaft deshalb einem gewaltigen Kostendruck aus, dem diese nicht standhalten können wird. Erneut ist es nur die Lebensmittelindustrie, die vom Agrarfreihandel und den dadurch zur Verfügung stehenden billigen Agrarrohstoffen profitiert. Zu den Verlierern des Agrarfreihandels gehören außerdem auch die Entwicklungs- und Schwellenländer, deren Wohlstand in Folge sinkt und dessen Bevölkerung weiter verarmt.

Der Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft ist erstrebenswert. Durch die eigene landwirtschaftliche Produktion kann die Versorgungssicherheit erhalten werden und eine gewisse Unabhängigkeit von Lebensmittelimporten sowie Preisschwankungen auf dem Weltmarkt bewahrt werden. Außerdem kann nur so die Ernährungssouveränität, d.h. die Selbstbestimmung über die Kriterien, unter denen Nahrungsmittel angebaut werden, sichergestellt werden. Neben der Produktion von hochwertigen Nahrungsmitteln leistet die heimische Landwirtschaft einen wesentlichen Beitrag zum Umwelt-, Natur-, Boden- und Gewässerschutz, dient der Pflege und dem Erhalt der Kulturlandschaften, schützt die biologischen Vielfalt und schafft Arbeitsplätze und Wertschöpfung in den ländlichen Räumen. Bei einer Verlagerung der Landwirtschaft ins Ausland müsste der Staat all diese Leistungen erbringen, was zweifellos deutlich teurer werden würde. Der langfristige und anhaltende Trend des immer „Höfesterbens“ sollte deshalb aufgehalten werden.

Deshalb sollte politisch konkret bei den folgenden Handlungsfeldern angesetzt werden:

  1. Es erscheint zum jetzigen Zeitpunkt unrealistisch zum Agrarprotektionismus mit seinen „Butterbergen“ und „Milchseen“ zurückzukehren. Dennoch müssen die Fehlanreize der gegenwärtigen Agrarförderung beseitigt werden. Solange Bauern gezwungen sind, in erster Linie homogene Rohstoffe an einen marktmächtigen Handel zu verkaufen, ist eine Verbesserung der Einkommenssituation illusorisch. Der Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats „Agrarpolitik, nachhaltige Landbewirtschaftung und Entwicklung ländlicher Räume“ von 2005 folgend, sind die Direktzahlungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für eine langfristig tragfähige Einkommenspolitik untauglich und lassen sich auch durch graduelle Veränderungen nicht nachhaltig beheben. Einkommenspolitisch begründete Maßnahmen sollten entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip besser in der nationalen Steuer- und Sozialpolitik angesiedelt werden. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) könnte dann rein auf umwelt- und tierschutzpolitische Anreizsysteme (2. Säule) ausgerichtet werden[51]. Zusätzlich könnten die Unsicherheiten auf den Märkten, wie beispielsweise starke Preisschwankungen, gesenkt werden, indem das Risikomanagement der Landwirte durch die kostenlose Bereitstellung von Marktinformationen gestärkt wird.
  2. Eine Möglichkeit für Landwirte, um eine höhere Wertschöpfung zu erzielen, könnte die Verarbeitung und Vermarktung von regionalen Qualitätsprodukten sein. Jedoch ist davon auszugehen, dass die durch den fortgeschrittenen Strukturwandel in Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie weggebrochenen regionalen Verarbeitungsstrukturen so gut wie unumkehrbar sind. Um regionale Lieferketten zu entwickeln und zu stärken, müssten deshalb diesbezügliche Fördermöglichkeiten ausgelotet werden. Außerdem könnte die Direktvermarktung unterstützt werden.
  3. Um die Marktschwäche der Landwirte auszugleichen, könnten Erzeugerzusammenschlüsse bzw. -organisationen gefördert und gestärkt werden, damit diese gemeinsame Preisverhandlungen mit ihren Abnehmern führen können. So könnte eine „Gegenkraft“ zur starken Marktmacht der Nachfrager aufgebaut werden.

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36094/umfrage/landwirtschaft—anzahl-der-betriebe-in-deutschland/

[2] Heinrich Böll Stiftung, 2019, Deutscher Agraratlas 2019 – Daten und Fakten zur EU-Landwirtschaft. Zuletzt abgerufen am 29.07.2020, https://www.boell.de/de/2018/12/20/agrar-atlas-daten-und-fakten-zur-eu-landwirtschaft. S. 18-22

[3] Bundesregierung für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), 2019, Agrarpolitischer Bericht der

Bundesregierung 2019. Zuletzt abgerufen am 27.07.2020, https://www.bmel-statistik.de/fileadmin/daten/DFB-0010010-2019.pdf. S. 53

[4] Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 19/4789 – Höfesterben in Sachsen, 23.10.2018, https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/19/052/1905257.pdf

[5] https://www.ble.de/SharedDocs/Downloads/DE/BZL/Informationsgrafiken/191211_Menschen-ernaehren-Landwirt.html#:~:text=Heute%20kann%20ein%20Landwirt%20140,so%20viele%20wie%20noch%201990.

[6]https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/landwirtschaft-arbeitet-sehr-kapitalintensiv-11946352.html

[7] Niegsch, C. & Stappel, M., 2020, Branchenanalysen – Deutsche Landwirtschaft unter Druck. Zuletzt abgerufen am 27.07.2020,  https://bielmeiersblog.dzbank.de/wp-content/uploads/2020/02/Branchenanalysen_Landwirtschaft-2020-1.pdf

[8] https://www.europarl.europa.eu/factsheets/de/sheet/103/die-gemeinsame-agrarpolitik-gap-und-der-vertrag

[9] https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/eu-agrarpolitik-und-foerderung/gap/gap-geschichte.html

[10] https://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2007/Zusatzinfos/Reichert_EU-Agrarsubventionen.pdf

[11] Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV), https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:12012E/TXT:de:PDF

[12] Binswanger, M., 2020, Mehr Wohlstand durch weniger Agrar-Freihandel – Landwirtschaft und Globalisierung. Wien: Picus Verlag, S. 44ff.

[13] https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/eu-agrarpolitik-und-foerderung/gap/gap-nationale-umsetzung.html

[14] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), 2019, Agrarpolitischer Bericht der Bundesregierung 2019. Zuletzt abgerufen am 20.07.2020, https://www.bmel-statistik.de/fileadmin/daten/DFB-0010010-2019.pdf, S. 69

[15] Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), 2019, Agrarpolitischer Bericht der Bundesregierung 2019. Zuletzt abgerufen am 20.07.2020, https://www.bmel-statistik.de/fileadmin/daten/DFB-0010010-2019.pdf, S. 125

[16] Banse, M. & Knuck, J. & Weber, S., 2019, Stabile und hohe Milchpreise?! – Optionen für

eine Beeinflussung der Milchpreise. Thünen Working Paper 11. Zuletzt abgerufen am 26.07.2020, https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn060782.pdf

[17] http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20325/preisnehmer

[18] https://thinkaboutgeny.com/volkswirtschaftliche-produktionsfaktoren

[19] https://www.boell.de/de/2019/01/09/hoefesterben-wachsen-oder-weichen

[20] https://www.kas.de/de/web/soziale-marktwirtschaft/agrarpolitik

[21] Die Preiselastizität des Angebots stellt dar, wie sich die angebotene Menge eines Gutes prozentual verändert, wenn sich der Preis für dieses Gut um ein Prozent ändert. Je niedriger der Wert der Angebotselastizität ist, umso weniger stark, d. h. umso unelastischer, reagieren die Produzenten auf Preisveränderungen.

[22] https://brockhaus.de/ecs/enzy/article/kingsche-regel

[23] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/296815/umfrage/konsumausgaben-in-deutschland-fuer-nahrungsmittel/

[24] https://www.mdr.de/nachrichten/wirtschaft/inland/lebensmittel-preise-in-deutschland-100.html

[25] https://www.thuenen.de/media/institute/ma/Downloads/Tabelle1_Anteilsberechnung_2018.pdf

[26] https://www.topagrar.com/markt/news/landw-erzeugung-in-der-eu-gestiegen-bruttowertschoepfung-gesunken-11892546.html

[27] http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/polypol/polypol.htm

[28] http://www.wirtschaftslexikon24.com/e/agrarmarkt-und-agrarpreispolitik/agrarmarkt-und-agrarpreispolitik.htm

[29] https://www.schulte-lawyers.com/schulteblog/agrarpolitik-kartellrecht

[30] Bundeskartellamt, 2014, Sektoruntersuchung Lebensmitteleinzelhandel – Darstellung und Analyse der Strukturen und des Beschaffungsverhaltens auf den Märkten des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland. Bericht gemäß § 32 e GWB. Zuletzt abgerufen am 20.07.2020, http://www.bundeskartellamt.de/Sektoruntersuchung_LEH.pdf%3F__blob%3DpublicationFile%26v%3D7, S. 406

[31] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/4916/umfrage/marktanteile-der-5-groessten-lebensmitteleinzelhaendler/#:~:text=Die%20genossenschaftlich%20organisierte%20Edeka%2DGruppe,Konzern%20die%20Handelskette%20Netto%2DMarkendiscount.

[32] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153723/umfrage/groesste-unternehmen-im-lebensmitteleinzelhandel-nach-gesamtumsatz-in-deutschland/

[33] Simons, J. & Lenders, D. & Hartmann, M., 2020, Die Bedeutung der Strategien des LEH für die Landwirtschaft. In: Agra-Europe 31/20

[34] Bundeskartellamt, 2014, Sektoruntersuchung Lebensmitteleinzelhandel – Darstellung und Analyse der Strukturen und des Beschaffungsverhaltens auf den Märkten des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland. Bericht gemäß § 32 e GWB. Zuletzt abgerufen am 20.07.2020, http://www.bundeskartellamt.de/Sektoruntersuchung_LEH.pdf%3F__blob%3DpublicationFile%26v%3D7, S. 407

[35] https://www.lwk-niedersachsen.de/index.cfm/portal/6/nav/360/article/29448.html

[36] Simons, J. & Lenders, D. & Hartmann, M., 2020, Die Bedeutung der Strategien des LEH für die Landwirtschaft. In: Agra-Europe 31/20

[37] https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/20-cent-fuer-haehnchenschenkel-das-ist-unanstaendig-kloeckner-sagt-dumpingpreisen-fuer-lebensmittel-den-kampf-an/25424200.html 

[38] = Preis, den ein Unternehmen für den Bezug einer Ware zahlen, abzüglich der Preisabschläge (Rabatte, Skonti, Zuschüsse) und zuzüglich der Bezugsnebenkosten (z.B. Transport, Versandversicherungen, etc.)

[39] Haucap, J. & Heimeshoff, U. & Klein, G. & Rickert, D. & Wey, C., 2013, Working Paper: Wettbewerbsprobleme im Lebensmitteleinzelhandel. Zuletzt abgerufen am 20.07.2020, https://www.econstor.eu/bitstream/10419/88409/1/773819630.pdf, S. 18

[40] Pressemitteilung Nr. 027/2020, 31.01.2020, Gespräch mit dem Handel im Kanzleramt: Wettbewerb nicht auf dem Rücken der Landwirte austragen. Zuletzt abgerufen am 26.07.2020, https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/027-handel.html

[41]https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/freihandel/freihandel-318088

[42]http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/komparative-kostenvorteile/komparative-kostenvorteile.htm

[43]https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/19802/komparative-kosten#:~:text=Die%20von%20David%20Ricardo%20(*,relativer%20komparativer%20Kostenvorteil)%20produzieren%20kann

[44]Binswanger, M., 2020, Mehr Wohlstand durch weniger Agrar-Freihandel – Landwirtschaft und Globalisierung. Wien: Picus Verlag, S. 13f.

[45]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/659012/umfrage/selbstversorgungsgrad-mit-nahrungsmitteln-in-deutschland/

[46]Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), 2018, Agrarexporte verstehen Fakten und Hintergründe. Zuletzt abgerufen am 20.07.2020, https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/Agrarexporte-verstehen.pdf?__blob=publicationFile&v=4, S. 9

[47] https://www.boell.de/de/2017/01/10/fuenf-agrarkonzerne-beherrschen-den-weltmarkt

[48]Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), 2018, Agrarexporte verstehen Fakten und Hintergründe. Zuletzt abgerufen am 20.07.2020, https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/Agrarexporte-verstehen.pdf?__blob=publicationFile&v=4, S. 7

[49] Binswanger, M., 2020, Mehr Wohlstand durch weniger Agrarfreihandel. Wien: Picus Verlag, S. 65ff.

[50] = für den Export produzierte Agrargüter

[51] Wissenschaftlicher Beirat „Agrarpolitik, nachhaltige Landbewirtschaftung und Entwicklung ländlicher Räume“ beim BMELV, 2005, Stellungnahme zu aktuellen Fragen der EU-Finanzen und des EU-Agrarhaushalts. Zuletzt abgerufen am 29.07.2020, https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ministerium/Beiraete/agrarpolitik/StellungnahmeEU-Finanzen.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Agropolit-X - Kritische Kommentare zur Agrarpolitik

6 Antworten auf „Dramatisches Höfesterben in der deutschen Landwirtschaft – Ursachen und mögliche Auswege“

  1. Es ist politisch nicht gewollt viele Betriebe zu erhalten da wenige grosse viel leichter zu kontrollieren sind wenn diese dann hoch er schuldet sind kommt die Stunde des grosskapitals die die Flächen und Betriebe dann schlucken siehe in der ehemaligen DDR was wir derzeit erleben ist zwangskollektivierung mit dem vorschlaghammer

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  2. Sehr gute Analyse und Darstellung der Handlungsoptionen.
    Zu mächtig sind die Kapitalinterressen aufgestellt. Den Strukturwandel und letztendlich den eigenen Untergang können die Bauern nicht aufhalten,durch ihre Bindung an den Boden sind sie nicht revolutionär. Selbst am sich langsam vollziehenden Untergangsprozeß, der nichts anderes als eine Konzentration des Kapitals vollzieht, profitieren die Profiteure.
    Die Politik hat Optionen zur Durchsetzung sozialer und ökologischer Mindeststandards durch Gesetze und Subventionen. Mehrheiten gegen die Boden, Industrie, Handels und Finanzlobby sind nicht in Sicht, weil es an Kompetenz und politischen Willen mangelt. 🤔

  3. Sehr geehrte Frau Abgeordnete! Alls Landwirt und CSU Ortsvorsitzender bin ich sehr unzufrieden mit Ihnen Leistungen Ihrer Arbeit! Die Düngeverordnung ist für uns Bauern eine Katastrophe insbesondere im roten Gebiet obwohl unsere Wasserversorger keine Probleme mit Nitrat haben! Die ganze Diskussion mit dem Tierschutz, wir Bauern sind 24 Stunden, 365 bzw 366 Tage im Jahr für unsere Tiere da ! Für fast keine Entlohnung also quasi fast zum Nulltarif! Wer in Deutschland Macht das? Bitte denke Sie bei
    IHREN Entscheidungen auch mal darüber nach!!! Mit freundlichen Grüssen Karl Blankenbühler

  4. Kein Wort im Artikel über die Rolle der Politik zum Höfe sterben. Das wirtschaftliche Abwürgen der kleineren Betriebe wird meiner Einschätzung nach seit den achziger Jahren betrieben. Bereits damals fiel mir auf, im Westen wurden immer mehr kleine Bauern gezwungen ihr Haupteinkommen durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft an einen Unternehmer zu erzielen. Die Landwirtschaft sank auf Nebenerwerb. Zwar wurde und wird die Landwirtschaft gefördert, der Trick dabei ist, die Voraussetzungen zum Erhalt von Fördergeldern so zu gestalten, daß nur große Betriebe diese erfüllen können. Der nächste Streich gegen die kleinen Höfe sind Auflagen, z.B. in der Tierhaltung, welche die kleinen Betriebe nicht finanzieren können und ihnen die Nutztierhaltung durch die Hintertür verboten wird. Oder sich dermaßen verschulden, daß am Ende die Enteignung und Vertreibung steht. Sollte wider Erwarten im kleinen Betrieb ein kleiner Gewinn hängen bleiben, preßt die Politik diesen kleinen Gewinn mit Steuern und Abgaben heraus. Die großen Betriebe dagegen haben Abschreibungsmodelle zum Steuern sparen. Das sind die wahren Gründe für das Sterben der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe. Und dieses Sterben ist von der Politik genau so gewollt!!!

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