Verursacht die deutsche Landwirtschaft wirklich externe Kosten von mindestens 90 Milliarden Euro pro Jahr?

Letzte Woche erst hatte ich meinen kritischen Kommentar zum Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) veröffentlicht. Eine wesentliche Empfehlung der ZKL ist die Internalisierung von externen Kosten, weil dem bestehenden Agrar- und Ernährungssystem erhebliche negative externe Kosten zuzurechnen seien, die insbesondere die Bereiche Nutztierhaltung, Klima, Biodiversität und Nährstoffausträge in Grund- und Oberflächenwasser betreffen würden. Diese externen Kosten werden von der ZKL auf mindestens 90 Milliarden Euro (!!!) pro Jahr beziffert. Das hat in der Branche für erheblichen Unmut gesorgt. In diesem Beitrag möchte ich diese Zahl etwas näher beleuchten.

(K)eine Zukunft für die deutsche Landwirtschaft?

Endlich liegt der von einigen lang erwartete Abschlussbericht der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ (ZKL) vor. In der darin gezeichneten Vision für die Zukunft unseres Landwirtschafts- und Ernährungssystems sichert die Landwirtschaft nicht nur unsere Versorgung mit Lebensmitteln, sondern trägt auch zum Erhalt der Artenvielfalt bei und wirkt positiv auf das Klima. Dazu werden im Bericht Entwicklungspfade beschrieben, die die Risiken dieser „Transformation“ beherrschbar machen, Planungssicherheit ermöglichen und die Akzeptanz auf Seiten der Landwirte erhöhen sollen. Die Kosten für die Empfehlungen der ZKL werden insgesamt auf etwa sieben bis elf Milliarden Euro geschätzt.

Verbot des Kükentötens – Fleischfresser können nicht mit Salat gefüttert werden

In der modernen Geflügelwirtschaft werden Legehennen speziell für die Eierzeugung gezüchtet. Die männlichen Nachkommen werden kurz nach dem Schlupf getötet, weil sie sich aufgrund ihres geringen Fleischansatzes nicht für die Aufzucht und Mast eignen. Entgegen dem gängigen Vorurteil werden die Küken jedoch nicht geschreddert, sondern in einem zweistufigen Verfahren zunächst mit Kohlenstoffdioxid (CO2) betäubt und dann bei Wahrnehmungslosigkeit mit einer höheren Dosis des Gases getötet. Jährlich werden auf diese Weise schätzungsweise 40 Millionen männliche Eintagsküken in Deutschland getötet.

Was kommt mit dem neuen Klimaschutzgesetz auf die deutsche Landwirtschaft zu?

Das Bundeskabinett hat in dieser Woche ein neues Klimaschutzgesetz beschlossen. Auslöser war ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, welches die ursprünglichen Ziele des Klimaschutzgesetzes als verfassungswidrig einstufte. Der Gesetzgeber ist nun verpflichtet, die Treibhausgasemissions-Minderungsziele für die Zeiträume nach 2030 näher zu regeln, weil die bisherigen gesetzlichen Maßgaben für den gebotenen rechtzeitigen Übergang zu Klimaneutralität nicht ausreichen würden.Was bedeutet das für die Landwirtschaft?

Borcherts Empfehlungen zum Umbau der Tierhaltung: Mehr neue Planungsunsicherheiten als Zukunftsmodell

Für die Weiterentwicklung einer zukunftsfähigen Nutztierhaltung in Deutschland wurde im Jahr 2019 das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung unter Vorsitz des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert (auch „Borchert-Kommission) eingesetzt, welches bereits Anfang 2020 seine Empfehlungen vorgelegt hatte. Ziel dieser Empfehlungen ist es, alle tierhaltenden Betriebe in Deutschland innerhalb von 20 Jahren auf ein deutlich höheres Tierwohlniveau zu bringen und „Tierwohl-Produkte“ zu den gleichen Kosten zu erzeugen wie herkömmliche Produkte. Inzwischen liegen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sowie der Folgenabschätzung vor.