Kein Kuscheltier – Wie der Wolf die Existenz der heimischen Weidetierhaltung bedroht

Die ideologisch angetriebenen Naturschutz-NGOs bejubeln seine Rückkehr, die Weidetierhalter verfluchen sie. Der Wolf spaltet die Gemüter. Isegrim reißt von Jahr zu Jahr mehr Weidetiere und gefährdet dadurch massiv die wirtschaftliche Existenz der heimischen Weidetierhalter. Der Steuerzahler muss mittlerweile Millionen für die Wolfsschäden zahlen. Wie lange kann das noch gutgehen? Wann handelt die Politik endlich?

„Barmherzigkeit gegen die Wölfe ist Unrecht gegen die Schafe.“

Nordeuropäische Spruchweisheit

Streng geschützte Art

Deutschland ist seit 1985 Vertragsstaat der sogenannten Berner Konvention. Das Übereinkommen regelt den Artenschutz durch Entnahme- und Nutzungsbeschränkungen, einschließlich der Verpflichtung zum Schutz ihrer Lebensräume[1]. Der Wolf (Canis lupus) ist Bestandteil des Anhangs II der Berner Konvention und damit streng geschützt. Er darf weder gestört, gefangen, getötet oder gehandelt werden[2]. Die Fauna-Flora-Habitatrichtline (FFH-Richtlinie) der EU, die die gleichen Ziele verfolgt, stellt den Wolf ebenfalls unter Schutz[3]. Als Teil des Anhangs IV gilt er als streng zu schützende Tierart von gemeinschaftlichem Interesse und darf weder gefangen noch getötet werden (Artikel 12)[4]. Die FFH-Richtlinie sieht in Artikel 16 jedoch die Ausnahme vor, dass der Wolf selektiv und in beschränktem Ausmaß entnommen werden darf, falls er sich in einem günstigen Erhaltungszustand befindet und dadurch ernste Schäden verhindert werden könnten.

„Da, wo es ein Problem gibt, lösen wir es. Und da wo es keines gibt, gilt der Artenschutz uneingeschränkt.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze[5]

Anfang März dieses Jahres wurde dieser Artikel 16 mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes in nationales Recht umgewandelt. Damit können Nutztierhalter jetzt eine Abschussgenehmigung für Wölfe erhalten, wenn ihnen ernste wirtschaftliche Schäden drohen[6]. Streng genommen hat die Bundesregierung dadurch indirekt zugegeben, dass der Wolf sich in einem günstigen Erhaltungszustand befindet. Andernfalls wäre diese Abschussgenehmigung nicht mit Artikel 16 der FFH-Richtlinie vereinbar!

Der Erhaltungszustand des Wolfes ist günstig

Gemäß FFH-Richtlinie gilt der Erhaltungszustand einer Art als „günstig“, wenn anzunehmen ist, dass diese Art ein lebensfähiges Element des natürlichen Lebensraumes, dem sie angehört, bildet und langfristig bilden wird. Außerdem darf das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art nicht abnehmen und es muss ein genügend großer Lebensraum vorhanden sein, um das langfristige Überleben dieser Art zu gewährleisten (Artikel 1 Buchstabe i).

Jetzt ist es aber so, dass der Wolf zwar seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland als ausgerottet galt, die Art Canis lupus war jedoch keineswegs vom Aussterben bedroht. Selbst in Mitteleuropa ist der Wolf mittlerweile keine bedrohte Tierart mehr und in vom Menschen wesentlich weniger beeinflussten Gegenden leben große und stabile Wolfspopulationen. Es ist also nicht nötig, den Wolf hierzulande unter strengen Artenschutz zu stellen. Zumal unsere landwirtschaftliche Kulturlandschaft dem Wolf nicht unbedingt überall den idealen Lebensraum bietet. Ganz im Gegenteil kommt es seit der Rückkehr des Wolfes zu großen Konflikten mit den Weidetierhaltern. Aber dazu später mehr.

Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags kam, basierend auf einem vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) beauftragten Gutachten, zu dem Schluss, dass eine entsprechende Wolfpopulation mindestens 500 Individuen umfassen muss, um ihr langfristiges Überleben zu sichern[7]. Nach aktuellen Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) vom 2. Dezember 2019 gab es im Monitoringjahr 2018/2019 insgesamt 105 bestätigte Rudel, 25 Paare und 13 territoriale Einzeltiere[8]. Die Größe eines Rudels liegt meist zwischen 5 und 10 Tieren[9]. Das bedeutet, dass es nach Einschätzung der DBBW zwischen 588 und 1.113 Wölfe in Deutschland gibt. Die Reproduktion ist mit etwa 35 Prozent sehr hoch[10].

Allein an Hand der Zahl der in Deutschland lebenden Wölfe, muss also von einem günstigen Erhaltungszustand im Sinne der FFH-Richtlinie ausgegangen werden. Nimmt man die von der EU-Kommission 2008 beauftragten “Guidelines for population level management plans for large carnivores in Europe” als Maßstab, dann ist der günstige Erhaltungszustand bereits bei weitaus weniger Tieren erreicht. Weil die deutsche Wolfspopulation so mit der benachbarten polnischen Wolfspopulation verbunden ist, dass eine ausreichende Zuwanderung gewährleistet ist, reichen demnach 250 geschlechtsreife Tiere, damit der Erhaltungszustand als günstig gilt. Oft werden auch die IUCN-Kriterium D herangezogen, um die Aufrechterhaltung des strengen Artenschutzes des Wolfes zu begründen. Demnach sind mehr als 1.000 geschlechtsreife Tiere für einen günstigen Erhaltungszustand nötig. Das IUCN-Kriterium spielt jedoch für die Beurteilung des Erhaltungszustandes nach der FFH-Richtlinie keine Rolle[11].

Große Gefahr für Weidetiere

Die Zahl der Nutztierrisse durch Wölfe nimmt von Jahr zu Jahr stark zu. Laut der DBBW wurden 2018 knapp 135 Weidetiere getötet. Das entspricht knapp 3 toten Weidetieren pro Tag. Überwiegend handelt es sich dabei um Schafe und Ziegen[12]. Die Zahlen für 2019 sind scheinbar noch nicht bekannt. Auf jeden Fall kann mit einer erneuten Zunahme gerechnet werde.

Die Situation ist kritisch und bedroht die wirtschaftliche Existenz der Weidetierhalter stark. Dabei ist es gerade die Weidetierhaltung, die einen unverzichtbaren Beitrag für die Pflege und den Erhalt unserer Kulturlandschaften sowie für den Natur- und Artenschutz leistet. Der Bund unterstützt die Weidetierhalter, indem er die Anschaffung von Herdenschutzmaßnahmen fördert und Schäden durch Wolfsrisse mit bis zu 100 Prozent der Kosten ersetzt. Dafür muss der Steuerzahler tief in die Tasche greifen. Nach Angaben der DBBW betrugen die Ausgaben für Herdenschutzmaßnahmen im Jahr 2018 etwa 2,4 Millionen Euro[13]. Und die Ausgleichszahlungen für die Wolfsschäden im Jahr 2019 haben den Steuerzahler knapp 1,1 Millionen Euro gekostet[14]. Tendenz stark steigend. Die Ausgleichszahlungen helfen den Weidetierhaltern übrigens nur bedingt. Es wird eine einheitliche Ausgleichszahlung gewährt, die nicht berücksichtigt, ob es sich beispielsweise um ein Zuchttier gehandelt hat. Das Aufstellen von Herdenschutzzäunen kostet Zeit. Die Anschaffung und die Ausbildung von Herdenschutzhunden kosten Zeit und Geld (etwa 1.000 Euro Anschaffungskosten und rund 1.000 Euro Unterhaltskosten pro Jahr). Diesen Mehraufwand muss der Weidetierhalter selbst tragen. Obendrein ist der Prozess, um diese Ausgleichszahlungen zu beantragen, sehr bürokratisch und die Bearbeitungszeit dauert sehr lange.

Einen 100-prozentigen Wolfsschutz bieten weder der Herdenschutzhund noch der Herdenschutzzaun. Kein Wunder also, dass viele Weidetierhalter frustriert und wütend sind. Weidetierhaltung und Wolf werden nicht nebeneinander funktionieren. Es besteht akuter Handlungsbedarf!

Kein Kuscheltier

Umwelt NGOs, wie beispielsweise der NABU, verharmlosen die Gefährlichkeit des Wolfes. Sie behaupten, dass es ausreichend natürliche Beute, wie Rehe, Rot- und Schwarzwild, in Deutschland gebe. Einheimische Beutetiere seien von ihm nicht von Ausrottung bedroht. Dies gilt leider nicht für die Muffelschafe[15]. Die Mufflon-Bestände in der Lüneburger Heide wurden vom Wolf komplett ausgelöscht[16]. Für den NABU ist das halb so wild. Schließlich würden die Mufflons ja nicht zur einheimischen Tierwelt Deutschlands gehören. Merkwürdig, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird, oder?

Wölfe töten mehr als sie fressen können. Insbesondere Schafe und Ziegen können sich kaum gegen den Beutegreifer wehren. Überwindet er den Herdenschutzzaun, dann sitzen sie in der Falle. Der Wolf nutzt die Chance, um auf Vorrat zu töten. Dabei richten sie unvorstellbare Blutbäder in den Herden an (mehr dazu und Rissbilder hier).

Lösung

Die Lösung liegt auf der Hand. Die Jagd hat in Deutschland eine jahrhundertelange Tradition. Entgegen der landläufigen Meinung geht es bei der Jagd nicht um das Sammeln von Trophäen, sondern um die Hege, also den Erhalt und die Pflege von Tierbeständen. Zu den häufigsten Naturschutzmaßnahmen der Jäger zählen Biotopschutz, Biotopvernetzung und gezielte Schutzmaßnahmen für gefährdete Arten. Dies hat sogar die Weltnaturschutzunion (IUCN) anerkannt. Jäger sind also die wichtigsten Naturschützer. Der Wolf muss in ihre Hand gelegt werden[17].

„Das Jagdrecht ist die ausschließliche Befugnis, auf einem bestimmten Gebiet wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen, (Wild) zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. Mit dem Jagdrecht ist die Pflicht zur Hege verbunden.“

§ 1 Bundesjagdgesetz

Dazu muss der Wolf auf EU-Ebene von Anhang IV in Anhang V der FFH-Richtlinie überführt werden sowie in das Bundesjagdgesetz aufgenommen und bejagt werden. Für die Erstellung der Abschusspläne müssen klare Habitatskapazitäten, d.h. „Wolfsobergrenzen“, definiert werden[18]. Dort wo Weidetiere gehalten werden, müssen sogenannte wolfsfreie Zonen errichtet werden, in der der Wolf durch Bejagung vergrämt wird. Schweden macht vor, dass das Prinzip Schutzjagd beim Wolf gut funktioniert.

Mein persönliches Fazit

Die Rückkehr des Wolfes mag aus Naturschutzgründen begrüßt werden, aber er hat eigentlich keinen Platz in unserer zersiedelten Kulturlandschaft. Die Existenz der heimischen Weidetierhaltung wird durch ihn stark bedroht. Jährlich steigt die durch ihn verursachte Zahl der Nutztierrisse. Herdenschutzmaßnahmen und Ausgleichszahlungen für die Schäden kosten die Steuerzahler Millionen. Tendenz stark steigend.

Ohne ein effektives Wolfsmanagement wird sich das Problem in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen. Bei einer Reproduktionsrate von mindestens 30 Prozent bei fehlenden natürlichen Feinden, wird die Zahl der Wölfe massiv anwachsen. Der Futtertisch ist reich gedeckt und die Herdenschutzmaßnahmen allein bieten keinen Schutz vor Isegrim.

Die Politik scheint bei dem Thema wie gelähmt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass die Naturschutz-NGOs breit angelegte, emotionale Wolfskampagnen betreiben. Die Angst vor dem Stimmverlust in den Großstädten scheint bei CDU und SPD größer zu sein als die Suche nach effektiven Lösungen. Alle bisherigen Maßnahmen waren mehr halbherzig als hilfreich. Wenn aber nicht bald entschieden gehandelt wird, dann werden wir demnächst keine Weidetierhaltung mehr haben. Ist es das wert?

Es geht ja gar nicht um eine erneute „Ausrottung“ beziehungsweise Vertreibung des Wolfes aus Deutschland. Wie ich aufgezeigt habe, sind die Wolfspopulationen in einem gesunden Erhaltungszustand. Es gibt einfach viel zu viele Wölfe. Weil Deutschland nicht aus „Wildnis“ besteht, muss der Wolf, so wie jedes andere Wildtier auch, gehegt werden. Wir brauchen endlich ein effektives Wolfsmanagement. Wenn es so weitergeht, dann wird es in absehbarer Zeit keine Weidetierhaltung mehr geben.


[1] https://www.bfn.de/themen/artenschutz/regelungen/berner-konvention.html

[2] https://rm.coe.int/168078e2ff

[3] RICHTLINIE 92/43/EWG DES RATES vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen, https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CONSLEG:1992L0043:20070101:DE:PDF

[4] https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/artenschutz/Dokumente/FFH_AnhangIV.pdf

[5] https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/kloeckner-reicht-der-kabinettsbeschluss-zum-wolf-nicht-11544931.html

[6] https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/049-schutz-fuer-weidetiere.html

[7] https://www.bundestag.de/resource/blob/585630/1defc3c92a6501e3ddb4206ddbe218db/WD-7-246-18-pdf-data.pdf

[8] https://www.bmu.de/themen/natur-biologische-vielfalt-arten/artenschutz/nationaler-artenschutz/der-wolf-in-deutschland/

[9] https://www.dbb-wolf.de/mehr/faq/faq-biologie-des-wolfes

[10] http://woelfeindeutschland.de/der-wolf-in-deutschland-ideologien-und-fakten/

[11] https://wolfsmonitor.de/?p=15495

[12] https://www.dbb-wolf.de/wolfsmanagement/herdenschutz/schadensstatistik

[13] https://www.bmu.de/themen/natur-biologische-vielfalt-arten/artenschutz/nationaler-artenschutz/der-wolf-in-deutschland/

[14] https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/tiere/id_86271582/woelfe-in-deutschland-wolfsschaeden-uebersteigen-die-millionengrenze.html

[15] https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/15812.html

[16] https://www.welt.de/wissenschaft/article192095885/Wildschafe-Gegen-den-Wolf-hatten-die-Mufflons-keine-Chance.html

[17] https://www.jagdverband.de/rund-um-die-jagd/natur-und-artenschutz

[18] https://www.bauernverband.de/fileadmin/user_upload/dbv/themendossiers/Wolf/Wolfsgutachten_Prof_Pfannenstiel_06-2017.pdf

Agropolit-X - Kritische Kommentare zur Agrarpolitik

4 Antworten auf „Kein Kuscheltier – Wie der Wolf die Existenz der heimischen Weidetierhaltung bedroht“

  1. Nach Angabe des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland in 2019 etwa 1,55 Mio Schafe gehalten. Diese Zahl ist seit einigen Jahren konstant. Gesetzt den Fall, alle Wolfsrisse von Nutztieren hätten Schafe getroffen, so wären von der Gesamtzahl der Schafe 0,14 % aller Schafe dem Wolf zum Opfer gefallen. Dem gegenüber stehen z.B. 14 % Lämmerverluste u.a. durch Weidekokzidiose oder Innenparasiten, sowie viele tausend adulte Tiere, die durch MAEDI-Infektion (nicht behandelbar) oder Moderhinke (nur aufwändig aus der Herde zu verbannen). Wenn ich daran denke, wieviele Schafe ich schon auf Nordseedeichen habe herumlaufen sah, die kläglich auf den Knien herumrutschten um ihren Futterbedarf zu decken, dann wird mir gerade wieder ziemlich übel. Hat der Autor des Artikels schon einmal recherchiert, wieviele Lämmer durch Angriffe von Kolkraben letztlich ihr Leben verlieren? Vielleicht sollten die Kolkraben deshalb in einem Abwasch gleich mit erledigt werden?

    Meine Fragen deshalb:
    – Wo sind die „zahllosen“ Schafzüchter, die sich existenzielle Sorgen um Ihre Schafe machen, wenn es um die normale Pflege Ihrer Herden geht?
    – Der Anteil der Wolfsrisse an den Gesamtverlusten bei „normaler“ Schafzucht sind verschwindend gering. Warum also dieser Aufriss um ein paar Tiere die dem Wolf zum Opfer fallen.

    Mir scheint, hier ist eher die Jägerlobby am Werk, die auf ein paar prestigeträchtige Trophaen spekuliert.

    1. Vielen Dank für diese Informationen, die mir in der Form noch nicht bekannt waren.

      Ich habe mich in dem Artikel rein auf die Weidetierhaltung beschränkt, die m.E. tatsächlich durch den Wolf bedroht ist. Die neuen, abermals gestiegenen, Rißzahlen belegen das. Zunehmend rücken leider auch immer mehr Rinder und Pferde in das Beuteschema.

      P.S. Ich gehöre keiner Jägerlobby an 😉

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