Ab nächstem Jahr wird es noch mal richtig teuer für die Landwirtschaft

Zuletzt haben die Verschärfung der Düngeverordnung, neue Haltungsvorgaben in der Sauenhaltung, die Neuregelung der Gewässerabstände, die Corona-Krise, den Schlachtstau und der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest den existentiellen Druck in der Landwirtschaft stark erhöht. Während die landwirtschaftlichen Produktionskosten stark steigen, sind die Preise gleichzeitig auf einem absoluten Tiefpunkt. Die Landwirtschaft steckt in der Krise. Als ob das aber alles noch nicht schlimm genug wäre, ist Anfang November ein Gesetz der Bundesregierung in Kraft getreten, welches ab nächstem Jahr den Kostendruck noch mal richtig erhöhen wird.

Worum geht es?

Am 10. November dieses Jahres ist das Erste Gesetz zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes in Kraft getreten. Damit wird ab dem Jahr 2021 ein nationaler Emissionshandel für die Sektoren Wärme und Verkehr eingeführt. Unternehmen, die Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel in den Markt bringen, müssen künftig Emissionsrechte (Zertifikate) für den Treibhausgas-Ausstoß dieser Brennstoffe erwerben[1]. Ein Zertifikat soll zur Emission von einer Tonne CO2-Äquivalent berechtigen und wird zunächst 25 Euro kosten und dann jährlich steigen.

202125€
202230€
202335€
202445€
202555€

Ausgehend vom jährlichen Emissionsausstoß in Deutschland wird für die ersten vier Jahre geschätzt, dass etwa 300 Millionen Zertifikate pro Jahr benötigt werden. Es wird außerdem davon ausgegangen, dass diese Kosten, die von den Inverkehrbringern der Brennstoffe zu leisten sind, auf die Kunden umgelegt werden. Allein für das nächste Jahr werden die Kosten auf etwa 7,4 Milliarden Euro geschätzt[2].

Auswirkungen auf die Landwirtschaft

Die deutsche Landwirtschaft wird sich auf deutlich steigende Produktionskosten und höhere Preise für Betriebsmittel einstellen müssen. Die CO2-Bepreisung wird den Preis für den Liter Benzin allein im nächsten Jahr um etwa 7,5 Cent, für Diesel um etwa 7,9 Cent, für Heizöl um etwa 7,9 Cent und für die Kilowattstunde Erdgas um etwa 0,6 Cent steigen lassen. Die Unternehmen der vorgelagerten Agrarbranche werden diese zusätzlichen Kosten, ähnlich wie die Mehrwertsteuer, auf alle erzeugten Produkte und Betriebsmittel umschlagen, wodurch sich die Preise erhöhen werden. Die Landwirte werden diese Preise zahlen müssen. Es wird keine Kompensationen geben. Damit erhöhen sich die landwirtschaftlichen Produktionskosten abermals. Aufgrund der Tatsache, dass dieser Emissionshandel rein auf nationaler Ebene gilt, ergeben sich erhebliche neue Kosten-Nachteile für die heimische Landwirtschaft gegenüber den Wettbewerbern aus der EU und vom Weltmarkt. Und das in einer Situation, in der die landwirtschaftlichen Preise ohnehin stark unter Druck stehen[3].

Mein persönliches Fazit

Sicherlich, der Klimaschutz geht alle an und ist insbesondere auch für die Landwirtschaft zukunftsentscheidend. Jedoch ist die nationale CO2-Bepreisung ein weiterer Schlag ins Gesicht der Landwirte. Während die Politik in immer kürzeren Abständen neue Auflagen und Verbote erlässt und dadurch die landwirtschaftlichen Produktionskosten erhöht und gleichzeitig durch die zunehmende Liberalisierung, die Corona-Krise und den ASP-Ausbruch die Preise für landwirtschaftliche Produkte auf einem Tiefststand sind, sollen die Kosten nun abermals steigen. Das ist grob fahrlässig und erhöht den existentiellen Druck in der Branche. Es kann und darf kein Weiter so geben, wenn wir uns auch in Zukunft eine eigene Landwirtschaft leisten wollen. Ein erster wichtiger Schritt muss es daher sein, dass diese nationalen Alleingänge beendet. EU-weit müssen die gleichen Standards gelten.


[1] https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/nationaler-emissionshandel-1684508

[2] Stellungnahme des Nationalen Normenkontrollrates gem. § 6 Abs. 1 NKRG – Entwurf eines ersten Gesetzes zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (NKR-Nr. 5178, BMU), http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/19/199/1919929.pdf, S. 11

[3] https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/co2-preis-treibt-kosten-fuer-bauern-oben-574381

Agropolit-X - Kritische Kommentare zur Agrarpolitik

2 Antworten auf „Ab nächstem Jahr wird es noch mal richtig teuer für die Landwirtschaft“

  1. Warum bekommen die Produzenten von O2 Sauerstoff keine Steuererleichterung? Wer einen Wald hat oder Mais und Rüben usw. anbaut,
    die nachweislich hohe Mengen an co2 binden und O2 freigeben, müssen steuerbegünstigt werden.

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  2. So einseitig kann gerechnet werden.
    Eigentlich muß man aufteilen in Co2 das aus einem Kreislauf entsteht und dem was z. B. aus fossilen Energiequellen, wie Kohle und Erdöl zusätzlich in die Atmosphäre freigesetzt wird. Aber was gilt schon die Meinung eines einfachen Bauern

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