Wie funktionieren die Negativ-Kampagnen der NGOs? – Erklärt am Beispiel Glyphosat

Im Bereich der Agrarpolitik vergeht kaum ein Tag, an dem die einschlägigen „Umwelt“-NGOs nicht eine neue Sau durchs Dorf treiben. Diesmal hat es erneut den Pflanzenschutzmittel-Wirkstoff Glyphosat getroffen. Das verwundert nicht, da im kommenden September darüber entschieden werden soll, ob Glyphosat weiterhin in der EU eingesetzt werden darf oder ob es verboten wird. Die Haltung der neuen Bundesregierung ist klar. Sie hat im Koalitionsvertrag vereinbart, dass Glyphosat bis Ende 2023 vom Markt genommen werden soll. Rückendeckung erhält die rot-grün-gelbe Regierung dabei von den NGOs. Doch schauen wir uns zunächst das Schema an, nach dem diese Negativ-Kampagnen ablaufen.

Das Spiel mit der Angst

Grundlage ist meist eine alarmistische wissenschaftliche Studie, in der ein relatives Risiko vermeldet wird. In unserem Fall ist es eine Studie der Universität Ulm, bei der untersucht wurde, wie sich unterschiedliche Dosen eines Glyphosat-basierten Herbizids (GBH) auf die Embryonalentwicklung von Amphibien auswirkt[1]. Darin konnte gezeigt werden, dass GBH Roundup® LB plus die Embryonalentwicklung des südafrikanischen Krallenfrosches Xenopus laevis negativ beeinflusst[2]. Daraus konstruierten einschlägige NGOs wie BUND, NABU oder „Wir haben es satt!“ schnell, dass Glyphosat die Biodiversität schädige. Und auch große Medien wie die FAZ griffen das Thema begierig auf[3]. Zweifelsohne ist das eine geschickte Manipulation der Studienergebnisse, die ausschließlich dazu dienen soll Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Dabei wird bewusst darauf gesetzt, dass sich die Mehrheit der Bürger ohnehin nicht die Mühe macht die Studie selber zu lesen beziehungsweise die dazu notwendige wissenschaftliche Bildung nicht besitzt.

Falsche Schlüsse

In der Studie wurde nicht der Wirkstoff Glyphosat untersucht, sondern ein fertig formuliertes Produkt, welches ausdrücklich nicht in der Nähe von Gewässern angewendet werden darf[4]. Es wurde außerdem ausdrücklich betont, dass die eingesetzten Glyphosat-Konzentrationen, für die Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen beobachtet wurden, in Deutschland bisher nicht gefunden wurden. Bereits die vorgeschriebenen Glyphosat-Grenzwerte für stehende Gewässer (0,1 Milligramm) dürften verhindern, dass der Einsatz von Glyphosat einen ähnlichen Einfluss auf Amphibien in Deutschland hat.

Glyphosat ist nachweislich unbedenklich

Aber um Fakten geht es den NGOs ja nicht. Es geht um Spendengelder. Um sehr viele Spendengelder. Und dafür muss in diesem Fall das Narrativ von der „bösen“ konventionellen Landwirtschaft aufrechterhalten werden, für die hier stellvertretend der prominente Wirkstoff Glyphosat steht. Dabei ist ausgerechnet das gut erforschte Glyphosat ein vergleichsweise harmloser Wirkstoff. Selbst der Vorwurf, dass Glyphosat krebserregend sei, wurde vom zuständigen WHO/FAO-Gremium, dem BfR und der EFSA eindeutig vom Tisch gewischt[5]. Bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung des Wirkstoffs Glyphosat bestehen keine Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit[6]. Wie bei allen Stoffen entscheidet die Dosis über das Gift, wie schon Paracelsus wusste.

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis machts, dass ein Ding kein Gift sei. “ (Paracelsus)

Vorteile des chemischen Pflanzenschutzes liegen auf der Hand

Die Vorteile von verantwortungsbewusst eingesetzten chemischen Pflanzenschutzmitteln liegen auf der Hand. Sie sind unverzichtbar zum Schutz der Kulturpflanze und zur Sicherung einer ausreichenden und kostengünstigen Versorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln. Eine hohe landwirtschaftliche Produktivität schont die knappe Ressource Agrarboden und verhindert gleichzeitig schadhafte Landnutzungsänderungen, die Klimaschutz und Biodiversität zuwiderlaufen. Ohne chemischen Pflanzenschutz ist eine nachhaltige, produktive Landwirtschaft also nicht möglich. Mit Glyphosat werden in der Landwirtschaft vor allem Unkräuter und Ungräser vor oder nach dem Anbau von Feldfrüchten bekämpft. Alternativ müssten sie ansonsten mit mechanischen (beispielsweise Mulchen, Pflügen, Eggen) oder thermischen Verfahren (durch Abflammen) entfernt werden. Das ist jedoch teurer, verbraucht mehr Treibstoff und erhöht die Gefahr des Bodenabtrags durch Wind und Wasser deutlich. Auch weisen durch häufige Bearbeitung intensiv gelockerte Böden aufgrund des höheren Sauerstoffaustausches i.d.R. einen geringeren Humusgehalt (verstärkter Abbau von Pflanzenresten) auf[7]. Das ökologisch besonders schonende Direktsaat-Verfahren ist ohne Glyphosat sogar unmöglich[8].

Traktor mit Pflug

Fazit

Die Negativ-Kampagnen der NGOs bedienen sich manipulativer Methoden, um Ängste in der Bevölkerung zu schüren. Sachverhalte werden extrem vereinfacht und Risiken maßlose übertrieben. Flankiert wird das Ganze durch eine dramatische und die Gefühle ansprechende Bildsprache. Mit dem Einbetten in Politik und Massenmedien erlangt die Kampagne schließlich die notwendige öffentliche Aufmerksamkeit und Legitimation. Neurokognitive Studien kommen übrigens zu dem Schluss, dass emotionale Schlagzeilen, insbesondere mit negativem Inhalt, auch dann unser Denken und Urteilen beeinflussen, wenn wir es eigentlich besser wissen[9],

Hüten Sie sich also vor Des- und Misinformationen und fallen Sie nicht ungeprüft auf jede NGO-Kampagne rein!


[1] https://www.uni-ulm.de/med/fakultaet/med-detailseiten/news-detail/article/kleine-hirne-schwache-herzen-krumme-koerperpflanzenschutzmittel-mit-glyphosat-stoeren-entwicklung-von-kaulquappen/

[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35074614/

[3] https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/wie-pflanzenschutzmittel-mit-glyphosat-der-biodiversitaet-schadet-17804562.html

[4] https://wcms.agro-schuth.de/sicherheitsdb/3180_201002031131.pdf

[5] https://www.bfr.bund.de/cm/343/who-fao-gremium-jmpr-bewertet-glyphosat-neu-und-bestaetigt-das-ergebnis-des-bfr-und-der-efsa-dass-kein-krebserzeugendes-risiko-zu-erwarten-ist.pdf

[6] https://www.bmel.de/SharedDocs/FAQs/DE/faq-glyphosat/FAQ-glyphosat_List.html

[7] https://www.bmel.de/SharedDocs/FAQs/DE/faq-glyphosat/FAQ-glyphosat_List.html

[8] https://www.agrarheute.com/pflanze/getreide/direktsaat-nachteile-442925

[9] https://www.topagrar.com/panorama/news/fake-news-negativ-schlagzeilen-wirken-auch-wenn-man-es-besser-weiss-12707393.html

Agropolit-X - Kritische Kommentare zur Agrarpolitik

Eine Antwort auf „Wie funktionieren die Negativ-Kampagnen der NGOs? – Erklärt am Beispiel Glyphosat“

  1. selten so viel Unsinn gelesen. Wenn sie meinen Glyphosat ist harmlos, bitte, nehmen sie ein Glas Wasser und einen Teelöffel Glyphosat da drin auflösen und trinken – das ganze unter notarieller Aufsicht und einem Video für youtube. Und solange sie das nicht machen, schreiben sie bitte nicht Glyphosat ist harmlos. Oder beweisen sie das Gegenteil: Ein Glas Wasser, ein Teelöffel Glyphosat….

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