Die Macht der Umweltlobby – Mit welchen Methoden mächtige NGOs die öffentliche Meinungsbildung über die Landwirtschaft dominieren (Teil 1)

In der medialen Wahrnehmung kommen die deutschen Bauern oft als Sündenböcke rüber. Geht es um die Landwirtschaft, dann dominieren ideologische Kampfbegriffe, wie „Massentierhaltung“[1], „Überdüngung“[2], „Artensterben“[3], „Klimakiller“[4] und „Pestizide“[5], die (öffentlich-rechtliche) Berichterstattung. Es wundert daher nicht, dass sich diese massive öffentliche Kritik bei etwa 33% der Bauern negativ auf die Motivation auswirkt[6].

Dabei können sich die Erfolge der Landwirtschaft in den Bereichen Umwelt-, Klima- und Tierschutz in den vergangenen Jahren durchaus sehen lassen: Der Verbrauch von Düngemitteln in der Landwirtschaft hat von 1990 bis 2018 von 4,26 auf 2,36 Mio. Tonnen Pflanzennährstoff[7] um etwa 44% abgenommen. Der Saldo der landwirtschaftlichen Stickstoff-Gesamtbilanz in Bezug auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche hat sich im gleichen Zeitraum von 141 auf 89 kg/ha um etwa 37% reduziert[8]. Außerdem haben sich die Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft im gleichen Zeitraum um etwa 20% auf 63,6 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente reduziert[9]. Die Landwirtschaft konnte sogar das Sektorziel zur Emissionsminderung nach dem Klimaschutzgesetz 2020 voll erfüllen[10]. Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln[11] in Deutschland hat sich zwischen 1995 und 2019 um knapp 12% reduziert[12]. Auch die Abgabemengen von Antibiotika für die Tierhaltung waren rückläufig und konnten im Zeitraum von 2011 bis 2019 um etwa 61% reduziert werden[13]. Darüber hinaus wurden 2018 auf rund 3,78 Mio. Hektar freiwillig staatlich geförderte Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen durchgeführt[14]. Warum werden diese Erfolge in der öffentlichen Debatte eigentlich nie erwähnt? Die meisten Bauern sind gerne bereit weitere Schritte zu gehen, wenn diese fachlich begründet und wirtschaftlich darstellbar und verkraftbar sind.

Um verstehen zu können, warum die Erfolge der modernen Landwirtschaft im Bereich Umwelt-, Klima- und Tierschutz keinen sachlichen Eingang in die öffentliche Debatte finden, müssen wir einen Blick auf die sogenannten Umweltverbände werfen. Spendenfinanzierte NGOs[15], wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), der Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU), Greenpeace und der WWF, investieren jährlich hohe Millionenbeträge in aggressive Kampagnen und professionelle Meinungsmache, um die öffentliche Meinungsbildung mit ihren Zielen zu durchdringen. Diese Verbände haben über die Zeit erkannt, dass das Thema „Landwirtschaft und Umweltschutz“ viel Aufmerksamkeit generiert und ein hohes Empörungspotenzial in der Gesellschaft erzeugt. Sie haben ein regelrechtes „Geschäftsmodell“ daraus entwickelt, mit ausgesuchten Negativbeispielen, Halbwahrheiten und emotionalen Skandalisierungen ihre i.d.R. radikalen Forderungen zu rechtfertigen und politisch durchzusetzen. Sie füllen mit ihrer Meinungsmache dabei zunehmend das Vakuum, welches durch die schleichende Erosion klassischer Institutionen, wie der Kirche, der Gewerkschaften, der Parteien und der Politik, mit der Zeit entstanden ist[16]. Nicht zu vergessen natürlich, dass diese NGOs mit diesem „Geschäftsmodell“ sehr, sehr viel Geld verdienen. Doch dazu später mehr.

Bei den Medien, wo es immer weniger Landwirtschaftsexperten unter den Journalisten gibt, stoßen die NGOs mit ihren Kampagnen auf fruchtbaren Boden. Journalisten haben in der heutigen schnelllebigen Zeit immer weniger Zeit, um Themen vernünftig zu recherchieren und zu verarbeiten und greifen solche Informationen deshalb gerne auf. Außerdem muss berücksichtigt werden, dass sich der Journalistennachwuchs laut Umfragen von „Die Welt“ und „journalist“ politisch eindeutig links-grün verortet.  Die Wahrscheinlichkeit ist daher recht groß, dass junge Journalisten die radikalen Forderungen der „Umwelt-NGOs“ möglicherweise auch selber unterstützen und unreflektiert und unkritisch übernehmen[17]. Die bereits erwähnten ideologischen Kampfbegriffe, wie „Massentierhaltung“, „Ackergifte“, „Monokultur“, „Insektensterben“, entfalten durch diese kombinierte Meinungsmache eine kraftvolle Wirkung und haben über die Jahre Zerrbilder in den Köpfen der überwiegend urban geprägten Gesellschaft festgesetzt, die nichts mit den Realitäten und Wirklichkeiten in der Landwirtschaft zu tun haben.

Aufgrund dieses etablierten verzerrten Eindruckes in der Gesellschaft sind diese NGOs in der Lage, die Politik vor sich herzutreiben. Eine sachliche Diskussion ist kaum noch möglich. Aus Angst Wählerstimmen zu verlieren, beschließt die Politik deshalb in immer kürzeren Abständen – meistens im nationalen Alleingang und gegen fachlichen Rat – neue Auflagen und Verbote für die Landwirtschaft, die sich auf die radikalen und meist rückwärtsgewandten Forderungen dieser NGOs stützen. Dadurch wächst wiederum der politische Einfluss der „Umwelt-NGOs“ auf die Politik. Beispielsweise sitzen allein im Deutschen Bundestag derzeit mindestens 19 Mitglieder des BUND, 7 Mitglieder des NABU, 6 Mitglieder von Greenpeace und 4 Mitglieder vom WWF (um bei den oben genannten vier Verbänden zu bleiben[18]). Es ist außerdem nicht auszuschließen, dass es weitere Mitglieder unter den Bundestagsabgeordneten gibt, die ihre Mitgliedschaft nicht freiwillig angegeben haben. Diese Abgeordnete wiederum, verschaffen den Lobbyisten der genannten Verbände Zutritt in den Deutschen Bundestag. In den öffentlichen Anhörungen und Fachgesprächen des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages werden Vertreter dieser NGOS regelmäßig als Sachverständige geladen und tragen damit maßgeblich zur politischen Entscheidungsfindung bei.

In Teil 1 dieses Beitrags habe ich aufgezeigt, zu welch wichtigen Meinungsmachern die „Umwelt-NGOs“ geworden sind und wie stark ihr Einfluss auf die Politik im Bereich Landwirtschaft mittlerweile ist. Grundsätzlich sind Interessenvertretungen wichtig für den demokratischen Prozess. Den „Umwelt-NGOs“ kann und darf deshalb nicht vorgeworfen werden, dass sie auf ihrem Feld erfolgreich sind. Was jedoch kritisiert werden muss ist, dass mit ausgesuchten Negativbeispielen, Halbwahrheiten und emotionalen Skandalisierungen bewusst eine starke gesellschaftliche Empörung erzeugt wird. Mit diesem Vorgehen setzen diese NGOs nicht nur ihre teilweise radikalen Forderungen politisch durch, nein, sie verdienen auf diese Art und Weise in erster Linie richtig viel Geld. In Teil 2 werde ich aufzeigen, wie groß die Summen sind, die sich mit diesem „Geschäftsmodell“ verdienen lassen.


[1] z.B. https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/hoefesterben-landwirtschaft-betriebsgroesse-100.html

[2] z.B. https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Wie-Nitrat-Grundwasser-belastet,wasser714.html

[3] z.B. https://www.fr.de/wissen/artensterben-geht-schneller-gedacht-12908450.html

[4] z.B. https://www.tagesschau.de/klima/hintergruende/klimalandwirtschaft100.html

[5] z.B. https://www.tagesschau.de/investigativ/fakt/pestizid-abdrift-101.html

[6] https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/bauern-bashing-franzoesische-deutsche-bauern-leiden-meisten-570374

[7] Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K), Phosphat (P2O5) und Pottasche (K2O)

[8] https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/stickstoffeintrag-aus-der-landwirtschaft#stickstoffuberschuss-der-landwirtschaft

[9] https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas#treibhausgas-emissionen-aus-der-landwirtschaft

[10] https://www.agrarheute.com/politik/landwirtschaft-hat-klimaschutzziel-2020-vollstaendig-erreicht-579203

[11] Herbizide, Insektizide, Fungizide und sonstige

[12] https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/pflanzenschutzmittelverwendung-in-der#absatz-von-pflanzenschutzmitteln

[13] https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/05_Tierarzneimittel/02_Verbraucher/03_Antibiotikaresistenzen/03_Lebensmittel_liefernde_Tiere/Lebensmittel_liefernde_Tiere_node.html

[14] https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/eu-agrarpolitik-und-foerderung/agrarumwelt-und-klimamassnahmen-aukm/agrarumweltmassnahmen-deutschland.html

[15] Nichtregierungsorganisationen

[16] https://www.handelszeitung.ch/panorama/ngos-die-macht-der-ngos

[17] Junge Volontäre von ARD und Deutschlandradio würden mehrheitlich, immerhin mit 57,1 Prozent die Grünen wählen. Die LINKE schläge mit 23,4 Prozent und die SPD mit 11,7 Prozent zu Buche, also 92,2 Prozent wäre demnach links-grün: https://www.theeuropean.de/stefan-gross/ard-volontaere-waehlen-ueberwiegend-links/

[18] BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Lisa Badum (BUND), Annalena Baerbock (BUND), Margarete Bause (BUND), Kai Gehring (Greenpeace), Anton Hofreiter (BUND, NABU), Dieter Janecek (BUND), Kirsten Kappert-Gonther (Greenpeace, WWF), Sylvia Kotting-Uhl (BUND, Greenpeace, WWF), Oliver Krischer (BUND, NABU), Chris Kühn (NABU), Irene Mihalic (Greenpeace), Tabea Rößner (BUND, Greenpeace), Wolfgang Wetzel (BUND); SPD: Nezahat Baradari (WWF), Bernhard Daldrup (BUND), Saskia Esken (BUND, Greenpeace), Rita Hagl-Kehl (BUND), Hilde Mattheis (BUND), Matthias Miersch (BUND), Dietmar Nietan (BUND, NABU), Detlev Pilger (WWF), Sönke Rix (BUND), René Röspel (NABU), Johannes Schraps (NABU), Frank Schwabe (BUND), Ute Vogt (BUND); DIE LINKE.: Brigitte Freihold (NABU), Ingrid Remmers (BUND)

Agropolit-X - Kritische Kommentare zur Agrarpolitik

12 Antworten auf „Die Macht der Umweltlobby – Mit welchen Methoden mächtige NGOs die öffentliche Meinungsbildung über die Landwirtschaft dominieren (Teil 1)“

  1. https://rebeccasommer.wordpress.com/2021/02/26/offener-brief-von-bauer-thies-kruse-an-den-bundestag-insektenschutzgesetz-wettereinflu%CC%88sse-und-nicht-wir-landwirte-sind-schuld/

    Alle modernen Monitoringarbeiten zu Insekten und Vögeln und Niederwild berücksichtigen nicht das Wetter. Alle negativen Effekte werden im Moment der konventionellen Landwirtschaft zugeschoben. Die erhobenen Daten aller Arten zeigen in Jahren mit Viel Sonnenstunden im Frühling erhoben aus den Wetterdaten und wenig Sonne , alle dei gleichen Reaktionen. Das wird zwar noch ansatzweise erwähnt, verschwiegen wird bewußt oder unbewußt , das diese Ereignisse vor allem Reaktionen auf den Wetterverlauf sind.

  2. „Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln[11] in Deutschland hat sich zwischen 1995 und 2019 um etwa 88% reduziert[12].“

    Richtig müsste es heißen: AUF 88% reduziert. Wenn man aber die Grafik anschaut, kann man höchstens in den Jahren 2017-2019 von einem Trend sprechen. Wenn man den Bezugszeitraum von 1995-2018 nimmt, hat sich rein gar nichts verändert. Die 12 % Reduktion sind mMn. im Rahmen von jährlichen Schwankungen.
    Der Satz sollte entfernt werden um nicht die Glaubwürdigkeit des ganzen Artikels in Frage zu stellen.

    4
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    1. Basis aller Daten beim BMU und BMEL sind die Bestandszahlen vor der Düngeverordung 2017, also bis 2016. Damit hat auch Prof Taube die Nährstoffbilanz für die Meldung an die EU in 2020 begründet. Danach hat sich seit 2015 bis 2019 der Stickstoffeinsatz um ca 25 % der Phosphoreinsatz um 17 % zwischendurch 2 Jahre mit über 25 % verringert. Rinderbestand bis Nov 10 % weiniger seit 2015, Schweinebestand Frühling 2020 minus 8,5 %, durch den Schlachtsweinestau im Dezember wieder Pus 400000 muß jeder selbst gewichten.
      Pflanzenschutz minus 20 % von 2015 bis 2019/20. Warum berichtet das keiner nach Brüssel, sondern lässt ohne Kommentar zu, das eine wweitere Düngeverordnung ins Land zieht, ohne die Meldung zu machen Düngeverordung 2017greift!!!! Wenn es die Daten von Statistika im Dezember 2019 für jeden einsehbar dazu gibt, verpflichtet die Neutralität die Ämter dazu das zumelden. Sicher hätten sie es auch nicht gemeldet, wenn sich alles um 20 % in die andere Richtung verschoben hätte. Im Zeitalter der Digitalisierung haltlose Zustände, nur durch Lobbyismuss zu begründen.

    2. Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe da tatsächlich einen Fehler gemacht und nicht den prozentualen Rückgang angegeben. Habe das jetzt geändert 🙂 Danke!

  3. Es wurden zwischenzeitlich aber auch die Zugehörigkeiten der einzelnen Mittel verändert.
    ZB wurden die innerten Gase wieder den Pflanzenschutzmitteln zugerechnet wo sie aber nicht hin gehören.
    Nur damit der Rückgang nicht so in der Statistik auffällt.

  4. Hallo zusammen,

    Ich habe ein kleines Problem mit den Zahlen : wenn ich von 4,26 Mio t auf 2,36 Mio t reduziere, dann habe ich auf 60 Prozent und nicht um 60 Prozent verringert. Das das nicht hinkommen kann sollte jedem sofort auffallen. Bitte die Zahlen prüfen und berichtigen, sonst fällt es der ganzen Branche auf die Füße. irgendwelche schlauen Leute sagen dann :“Wenn die ihre Nährstoffbilanzen und Stoffströme genau so rechnen ist die Gewässerbelastung ja auch nicht weiter verwunderlich.

    Freundlichen Gruß, Klaus.

  5. Das die deutsche Landwirtschaft mit Fleiß, Eigenverantwortung und nach neuesten Umweltauflagen das Land mit seinen Menschen satt macht das sehen nur die wenigsten ! Lieber holen wir mit hohem Aufwand aus aller Welt alles ran zu jeder Jahreszeit anstatt hier den fleißigen Landwirten Möglichkeiten und Luft zu geben ihre Betriebe so zu führen das man Vorort die Menschen satt machen kann ! All die genannten links grünen Mitglieder dieser Verbände sollten mal in der Landwirtschaft arbeiten.

  6. Danke für deine Arbeit!
    Die Landwirtschaft braucht die Fakten zur Selbstdarstellung.
    Ich hoffe, dass wir über die Fakten zu einer medialen Partnerschaft kommen und weg von der Deutungshoheit.
    Es wird ein langer Weg.

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